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Diese Münchner Startups hat die Insolvenz erwischt

Diese Münchner Startups hat die Insolvenz erwischt

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2020 über das Münchner Startup Ökosystem. Dabei haben es dem studierten Politikwissenschaftler vor allem Deeptech-Themen angetan.

9. Oktober 2024

4 Min. Lesezeit

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung durch Startupdetector und dessen Insolvenz-Analyse-Tool.

Wenn der Zahlungsausfall ein Unternehmen ereilt, wird in der Regel eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet, bevor es zum eigentlichen Verfahren kommt (was es dabei zu beachten gilt, erklärt übrigens dieser Gastbeitrag). Dies dient der Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen. Die Zeit der vorläufigen Insolvenz wird aber auch dazu genutzt, neue InvestorInnen oder KäuferInnen zu finden, bevor das eigentliche Verfahren beginnt. Aber das gelingt nicht immer.

Lösungen für insolvente Startups

Die 2015 gegründete Gebrauchtwagenplattform Instamotion musste im 2. Quartal dieses Jahres ihre Zahlungsunfähigkeit melden, zu Beginn des dritten Quartals folgte die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Kurz darauf kam dann aber bereits die Erfolgsmeldung: Mit dem tschechischen Online-Gebrauchtwagenhändler Carvago fand Instamotion einen Käufer, der den gesamten Geschäftsbetrieb inklusive eines Großteils der MitarbeiterInnen übernommen hat.

Und auch Insaas konnte einen Käufer finden: Der Entwickler einer KI-basierten, auf Versicherungen und Banken fokussierten Marktforschungssoftware musste Mitte März in die vorläufige Insolvenz. Im Juni folgte dann die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Anfang August kam dann die Übernahme durch Glomas Deutschland, einem Spezialisten für Informationsmanagementsysteme für standardisierte und hochspezifische Anforderungen.

Einen Neustart schaffte Holoride. Das Startup, das Virtual-Reality-Unterhaltung für Autopassagiere entwickelt, beantragte zu Beginn des dritten Quartals die Eröffnung des Verfahrens, nachdem es bereits seit Ende April unter vorläufiger Insolvenzverwaltung stand. Kurz darauf wurde auch die Masseunzulänglichkeit festgestellt. Ende September folgte dann aber der Befreiungsschlag: Das Startup konnte alle seine Technologien und Patente in die neue Holoride Technologies Group mit Sitz in Singapur überführen. Sie wurde von den Holoride-Investoren Jing Xu und Tony Chen sowie Holoride-Gründer Nils Wollny gegründet. Die Tochtergesellschaft Holoride Technologies Europe GmbH mit Sitz in München führt nun die Geschäfte weiter.

Keine Lösung im engeren Sinne gibt es für den Insolvenzantrag von Neutron Star Systems. Das Startup bietet Hochtemperatursupraleiter-Raumschiffsysteme an, als sein Flaggschiffprodukt gilt ein elektrisches Antriebssystem für die Mobilität von Raumfahrzeugen in der Umlaufbahn. Im Mai meldete das Startup die vorläufige Insolvenz an – im Juli wurde dann aber der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse vom Amtsgericht München abgewiesen.

Neu eröffnete Insolvenzverfahren

Direkt Anfang Juli wurde das Insolvenzverfahren für Lodgea eröffnet. Das Software-Startup bedient Hotels, Hotelketten und Tourismusorganisationen, aber auch Airlines und Reisebüros. Seine Lösung soll bei der Direktvermarktung im Internet unterstützen und Unterkunftsanbietern eine einfache Buchungs- und Vermarktungslösung an die Hand geben, einschließlich KI-Komponenten und Funktionen zur Marketing-Automation. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Michael Verken von der Kanzlei Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft bestellt.

Für Dock Financial waren die Rettungsversuche bisher nicht erfolgreich. Das Technologie-Unternehmen bietet verschiedenen Branchen maßgeschneiderte Finanzlösungen an und unterstützt bei der Integration von Finanz-Features. Die vorläufige Insolvenz erklärten Ende Mai sowohl die Dock Financial GmbH als auch die mit ihr verbundene Dock Financial Capital GmbH. Ende Juli musste dann die Dock Financial GmbH die Eröffnung des Insolvenzverfahren einleiten. Im September folgte dann auch die Dock Financial Capital GmbH. Zu Insolvenzverwaltern bestellt wurden Rechtsanwalt Ivo-Meinert Willrodt und Rechtsanwältin Marlene Scheinert, beide von der Pluta Rechtsanwalts GmbH.

Schlechte Nachrichten gab es im dritten Quartal auch für Straightlabs. Das Edtech Straightlabs bietet gamifizierte und virtuelle Trainingswelten und arbeitete auch mit Meta zusammen. Im September wurde dann aber wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren eröffnet. Auch hier wurde Rechtsanwalt Michael Verken von der Kanzlei Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft zum Insolvenzverwalter bestellt.

Neue Fälle von vorläufiger Insolvenz in der Münchner Szene

Im dritten Quartal des Jahres kam es zudem zu zwei neuen Fällen vorläufiger Insolvenz. So hat die Insolvenz in diesem Quartal Inveox ereilt. Das Healthtech-Startup entwickelt digitale Lösungen für Pathologie-Labore. Durch die Technik des Münchner Healthtech-Startups sollen unnötige Fehler in der Diagnostik vermieden werden. Allerdings ging Inveox im September das Geld aus, es folgte die Anmeldung der vorläufigen Insolvenz. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Marc-André Kuhne von der Kanzlei Dkr Kuhne Dr. Raith Rechtsanwälte bestellt. Unterkriegen lassen will sich Inveox von der Entwicklung aber nicht: Das Startup geht offensiv mit seiner Situation um und sucht nach neuen Investoren.

Schließlich musste sich auch Munich Composites in die Insolvenz begeben. Das 2011 gegründete Startup fertigt Komponenten aus Carbonfaser. Noch im April dieses Jahres feiert das Spinoff der TU München einen Erfolg, als es seine Fahrradfelgen-Sparte verkaufen und so die Produktion ausweiten und in die USA expandieren konnte. Der in Putzbrunn verbliebene Teil des Unternehmens steht nun aber vor finanziellen Schwierigkeiten: Ende September wurde die vorläufige Insolvenz erklärt, Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Dr. jur. Fabian Vielsäcker von der Kanzlei Liebig Insolvenzverwaltung Restrukturierung.

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