Laut dem Deutschen Startup Monitor 2025, für den 1.846 Startups befragt wurden, werden fast 80 Prozent aller Startups von mindestens zwei Gründenden gestartet. Das Durchschnitts-Startup hat demnach 2,5 GründerInnen.
In den USA sieht es ähnlich aus. Laut dem Carta Founder Ownership Report 2026 gründeten 2025 rund 64 Prozent aller neu registrierten Startups im Team. Wer dabei VC einwerben will, gründet besser zu zweit: Unter finanzierten Startups sind Zweipersonen-Teams mit 36 Prozent am häufigsten vertreten.
Allein gründen: Was dafür spricht
Ein klarer Vorteil ist, wer allein gründet, entscheidet allein. Es gibt keine Abstimmungsrunden, kein Ringen über strategische Ausrichtung und keinerlei Kompromisse.
Lars Hinrichs, der Xing als Einzelgründer aufgebaut und 2009 für 48 Millionen Euro verkauft hat, bringt es auf den Punkt: Ihm sei es allein darum gegangen, ein konkretes Problem zu lösen, nämlich die Kontakte seiner Kontakte sichtbar zu machen. Einen Mitgründer dafür brauchte er nicht. Wenn man ein klares Ziel habe, gehe es einfach schneller, wenn man sich nicht abstimmen müsse, sagte er gegenüber deutsche-startups.de.
Dazu kommt Geschwindigkeit. Wer sich mit niemandem abstimmen muss, bewegt sich schneller. Gerade in frühen Phasen ist das ein realer Vorteil. Ebenso wie das Thema der Gewinnverteilung, denn ein zweites Gesellschaftergehalt entfällt. In der Bootstrapping-Phase kein Kleinstargument.
Harvard-Professor Noam Wasserman hat in seiner Forschung zu über 6.000 Startups ein Grundmuster beschrieben, das er in seinem Buch ‚The Founder’s Dilemmas‘ zusammenfasst: Wer Kontrolle priorisiert, gründet allein. Wer auf Wachstum und Vermögensaufbau setzt, holt Co-Founder und Investoren rein. Die meisten GründerInnen erreichen das eine oder das andere und nur selten beides.
Die Vorteile im Team
Venture Capital ohne Gründerteam einzuwerben ist möglich, aber schwer. VCs argumentieren meistens, dass ein erfolgreiches Startup technisches Know-how, kaufmännisches Verständnis und Vertriebskompetenz braucht. Diese drei Fähigkeiten als einzelne Person kompetent abzudecken ist eher die Ausnahme. Dazu kommt ein strukturelles Argument. Ein Team kann abfedern, wenn eine Person temporär ausfällt.
Laut RKW-Studie, die 100 Startups aus dem deutschsprachigen Raum befragte, ist das kein Randaspekt. Teamgründungen haben nachweislich eine geringere Abbruchrate, weil gegenseitige Motivation und geteilte Verantwortung das Unternehmen stabiler machen. InvestorInnen wissen das.
Das zeigt das wohl bekannteste Beispiel der Münchner Startup-Szene: Flixbus. André Schwämmlein und Daniel Krauss kennen sich aus der Studienzeit an der FAU Erlangen-Nürnberg, Jochen Engert stieß über ihre gemeinsame Zeit bei der Strategieberatung BCG dazu – drei Gründer mit komplementären Profilen aus Wirtschaftsingenieurwesen, Strategie und Organisationsentwicklung. Ihre Entscheidung, im Team zu gründen, war kein Zufall: Sie brachten unterschiedliche Netzwerke, Stärken und Perspektiven mit. Heute operiert Flix in über 40 Ländern.
Hinzu kommt, was sich schlecht in Studien messen lässt. Gründen ist kein Sprint. Es ist ein Marathon mit unvorhersehbar vielen Hindernissen, und wer jemanden hat, der dieselbe Last trägt, hält länger durch.
Außerdem bringen zwei GründerInnen doppelt so viele Kontakte an Bord. Seien es KundInnen, PartnerInnen, InvestorInnen oder Talente. In frühen Phasen ist Beziehungskapital oft entscheidender als Finanzkapital. Doch auch hier können zwei Personen mehr finanzielle Mittel mobilisieren als nur eine allein.
Die häufigsten Fehler
Isolation ist das am häufigsten unterschätzte Risiko der Einzelgründung. Ohne Korrektiv läuft man Gefahr, in Betriebsblindheit zu verfallen. Entscheidungen werden nicht hinterfragt, Fehler nicht früh genug erkannt. Dazu kommt, dass Vertrieb, Produkt, Finanzen und Kundenkommunikation alles an nur einer Person hängt. Wer das unterschätzt, brennt aus, bevor das Produkt den Markt erreicht.
Bei Teamgründungen liegen die Probleme woanders. Konflikte im Gründerteam sind laut Studien einer der häufigsten Gründe für gescheiterte Startups. Das RKW-Kompetenzzentrum identifizierte unklare Verantwortungsverteilung als das größte Problem.
Gleichgesinnte zu finden, fühlt sich gut an und das ist oft das Problem. Wer mit der besten Freundin oder dem engsten Studienfreund gründet, spart sich zwar Reibung, verzichtet damit aber auf die Art von konstruktivem Widerspruch, der Unternehmen voranbringt. Komplementäre Kompetenzen schlagen ähnliche Hintergründe.
Das wohl teuerste Problem ist die Equity-Frage. Wassermans Analyse zeigt, dass sich viele Teams die Anteile gleichmäßig aufteilen, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Eine Entscheidung, die später eskaliert, wenn Beiträge und Engagement auseinanderlaufen.
Der Weg, den viele übersehen
Die Entscheidung solo oder im Team muss nicht absolut sein. Wer allein gründet, kann sich Außenperspektive und Sparring trotzdem strukturiert reinholen, ohne jemanden formal einzubinden. Viele erfolgreiche GründerInnen finden diesen Mittelweg. Sie starten allein, bauen sich aber früh ein Netzwerk aus MentorInnen sowie erfahrenen ersten Mitarbeitenden auf.
Für Mentoring und Zugang zu Netzwerken gibt es in München konkrete Anlaufstellen: Baystartup bietet Coaching und Zugang zu Kapitalgebern, das Werk1 am Ostbahnhof verbindet GründerInnen mit einem breiten Enabler-Netzwerk, und die UnternehmerTUM der TU München bringt über ihr TechFounders-Programm technologiebasierte Startups mit erfahrenen MentorInnen zusammen. Wer früh strukturiertes Peer-Feedback sucht, kann sich beim Founder Institute München bewerben. Und wer am Ende doch einen Co-Founder sucht, findet auf Founderio oder CoFoundersLab gezielt Gründungsinteressierte mit komplementären Profilen.
Fünf Fragen, die wirklich helfen
Vor der Entscheidung lohnt es sich, diese Fragen ehrlich zu beantworten:
- Wie skalierbar soll das Unternehmen werden? Wer kein VC will und profitabel wachsen möchte, braucht oft kein Team. Wer schnell skalieren will, kommt ohne kaum aus.
- Was würde ein Co-Founder konkret beitragen, das ich nicht selbst oder durch Freelancer und KI abdecken kann? Welche Kompetenz fehlt täglich, und ist dafür ein Co-Founder nötig oder reicht ein früher Hire?
- Halte ich Einsamkeit aus? Solo gründen bedeutet monatelang ohne Korrektiv zu arbeiten.
- Teilen wir dieselbe Vision und nicht nur dieselbe Begeisterung? Der häufigste Trennungsgrund in Gründerteams sind laut US-Studien unterschiedliche Vorstellungen davon, wohin das Unternehmen sich entwickeln soll.
- Wie gut kenne ich diese Person als Geschäftspartner? Freundschaft sagt wenig darüber aus, wie jemand mit Druck, Geldknappheit und Misserfolg umgeht.
Die Antworten werden zeigen, was das eigene Vorhaben wirklich braucht.