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Startup gründen neben dem Job

jankowski

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27. Juni 2026

1 Min. Lesezeit

Fast die Hälfte aller Startup-GründerInnen in Deutschland hat zunächst in einem Konzern gearbeitet. 39,5 Prozent kamen aus dem Mittelstand. Das zeigt der ‚Deutsche Startup Monitor 2025‚ des Startup-Verbands und zerlegt gleichzeitig das Klischee vom Dropout-Gründer ziemlich gründlich.

Der typische deutsche Startup-Entrepreneur ist 37,7 Jahre alt, hat Berufserfahrung, kennt seinen Markt von innen. Und oft hat er oder sie das Startup nicht von heute auf morgen hochgezogen, sondern zunächst neben dem Hauptjob entwickelt. 

Die klassische Heldengeschichte, also kündigen, alles riskieren, scheitern oder triumphieren, verliert an Strahlkraft. 

Erst testen, dann springen

Der wichtigste Vorteil einer Gründung neben dem Hauptjob ist, dass das Gehalt weiterhin kommt. Wer monatlich seine Fixkosten decken kann, ohne auf erste Startup-Umsätze angewiesen zu sein, hat einen Luxus, den Vollzeit-GründerInnen nicht haben. 

Dr. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD), beschreibt nebenberufliche Gründungen als „risikoarmen Weg, die Nachfrage nach einer Geschäftsidee zu testen – und ob man selbst Spaß daran hat.“ Wer scheitert, hat keinen Totalverlust und wer erfolgreich ist, hat bereits einen ersten Kundenstamm mit realen Zahlen vorzuweisen. Das macht spätere InvestorInnengespräche leichter.

Wie gut das funktionieren kann, zeigt das bekannte Münchner Beispiel Flix (ehemals Flixbus). Jochen Engert war Unternehmensberater und arbeitete an seiner Promotion, als 2011 die Liberalisierung des Fernbusmarkts in Deutschland absehbar wurde. Gemeinsam mit BCG-Kollege André Schwämmlein, ebenfalls noch mitten in der Doktorarbeit, und Wirtschaftsinformatiker Daniel Krauss, der damals bei Microsoft angestellt war, entwickelte er die Idee zu einem Fernbusunternehmen. Monatelang liefen Hauptjob und Gründungsarbeit parallel. Erst als klar war, dass sich der Markt tatsächlich öffnen würde, wagten sie 2013 den Sprung. Heute ist das Unternehmen mit rund 3 Milliarden Euro bewertet und in über 45 Ländern aktiv.

Das Trio hätte die Idee unter diesen Bedingungen nicht entwickeln können, wäre es nicht noch in einem geregelten Berufsleben gewesen. Die Angestelltenverhältnisse gaben ihnen Zeit und finanziellen Puffer, um auf den richtigen Moment zu warten.

Voraussetzung: wohlwollender Arbeitsvertrag

Eine nebenberufliche Gründung setzt voraus, dass dies arbeitsvertraglich erlaubt ist. Während eines laufenden Arbeitsverhältnisses gilt automatisch ein gesetzliches Wettbewerbsverbot nach den Paragraphen 60 ff. HGB. Es verbietet, dem Arbeitgeber Konkurrenz zu machen, ohne, dass das explizit im Vertrag stehen muss. Wer also als Produktmanagerin eines Softwarehauses ein eigenes SaaS-Produkt für dieselbe Zielgruppe aufbaut, bewegt sich auf dünnem Eis. 

Hinzu kommt, dass viele Arbeitsverträge Nebentätigkeitsklauseln enthalten, die eine Anzeigepflicht begründen. Wer das ignoriert, riskiert eine Abmahnung und im schlimmsten Fall eine fristlose Kündigung. 

Was viele nicht wissen: Das gesetzliche Wettbewerbsverbot gilt nicht nur im aktiven Dienst, sondern auch in der Kündigungsfrist und selbst bei Freistellung. Im letzten Monat schnell ein konkurrierendes Unternehmen anmelden, kann also auch nach hinten losgehen.

Wenn 24 Stunden nicht ausreichen

Ein oft unterschätzter Faktor ist der Mehraufwand zum eigentlichen Job. Wer nach einem Acht-Stunden-Tag noch bis spät in die Nacht an der eigenen Firma arbeitet, spürt das. Zuerst an der Freizeit, dann am sozialen Umfeld und am Ende an der eigenen Gesundheit. Laut einer Studie von Wilbur Labs aus dem Jahr 2026, für die 200 GründerInnen befragt wurden, erlebten 90 Prozent Stress oder Burnout so stark, dass sie zumindest zeitweise daran dachten, aufzugeben. Laut einer Auswertung von CB Insights aus dem Jahr 2021 geht zudem jeder zwanzigste Startup-Misserfolg direkt auf Burnout zurück. Wer dem entgegenwirken will, braucht vor allem Struktur. Dazu einige konkrete Ansätze, die sich in der Praxis bewährt haben.

Feste Zeitblöcke statt offener Verfügbarkeit: Wer nicht definiert, wann er an seinem Startup arbeitet, arbeitet immer oder nie. Zwei feste Abende pro Woche plus ein halber Samstag sind oft mehr wert als täglich eine Stunde zwischen Tür und Angel. Dazu gehört auch die klare Grenze nach oben. Wenn die Zeit um ist, ist sie um.

Aufgaben nach dem Eisenhower-Prinzip sortieren: Was ist wirklich wichtig und dringend und was fühlt sich nur so an? NebenerwerbsgründerInnen verlieren besonders leicht Zeit in Aufgaben, die sichtbar, aber nicht entscheidend sind.

So früh wie möglich delegieren: Viele NebenerwerbsgründerInnen glauben, alles selbst erledigen zu müssen. Buchführung, Social-Media-Management oder Website-Updates lassen sich oft früh an StudentInnen, FreelancerInnen oder Tools auslagern. Wer seine begrenzte Zeit für echte Chefsachen schützt, kommt schneller voran.

Weniger machen, aber das Richtige: Andy Bruckschlögl, Seriengründer, Mitinitiator von Bits & Pretzels und Autor des Gründungsratgebers ‚Startup!‘, beschreibt einen der häufigsten Fehler junger GründerInnen so: sie wollen zu viel auf einmal. Sein Rat: Fokus auf Sinn statt auf Skalierung. Wer weiß, wofür er gründet, trifft bessere Entscheidungen darüber, was er oder sie weglässt.

Peer-Gruppen gezielt suchen: Der Austausch mit anderen GründerInnen in derselben Situation ist eine echte Überlebensstrategie.

Wann sollte ich kündigen?

Irgendwann stellt sich die Frage, wann der passende Zeitpunkt für die Kündigung ist. Eine einfache Antwort gibt es nicht, wohl aber ein paar Indikatoren. Das Startup erwirtschaftet regelmäßige Einnahmen, erste Kunden sind nicht länger nur Bekannte und die eigene Erschöpfung macht deutlich, dass zwei parallele Welten auf Dauer nicht funktionieren. Wer zu lange wartet, riskiert das Momentum.

Das Münchner Gründungsbüro rät, diesen Zeitpunkt gemeinsam mit der Krankenkasse, dem Steuerberater und, wenn vorhanden, dem eigenen Netzwerk zu klären. Förderangebote wie Beratungs- und Coaching-Zuschüsse stehen teilweise auch nebenberuflichen GründerInnen offen.

Fazit

78 Prozent der GründerInnen im ‚Deutschen Startup Monitor 2025′ würden wieder gründen. Nebenberuflich anzufangen, bedeutet nicht, es weniger ernst zu meinen. Manchmal bedeutet es genau das Gegenteil.

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