Bayern hat sich zur Nummer eins unter Deutschlands Startup-Standorten entwickelt. Laut dem EY Startup-Barometer sammelten bayerische Startups 2025 rund 3,3 Milliarden Euro Risikokapital ein und lagen damit deutlich vor Berlin (2,7 Milliarden Euro). Der Grund dafür liegt auch an der Ausrichtung. Wo Berlin traditionell für Consumer-Startups steht, hat sich München auf Deeptech, Industrialtech und B2B-Software spezialisiert.
Für GründerInnen bedeutet das eine breite, aber unübersichtliche Landschaft. Über 40 Investorengesellschaften mit mehreren Hundert Investment-ManagerInnen sind allein in München und Umgebung aktiv. Der folgende Überblick ordnet die wichtigsten Fonds nach Typ und zeigt, worauf es bei der Auswahl ankommt.
Die generalistischen Schwergewichte
An der Spitze steht HV Capital (früher Holtzbrinck Ventures), einer der aktivsten InvestorInnen Europas mit rund 1,7 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen und knapp 200 Beteiligungen von der Seed- bis zur Late-Stage-Phase. Zum Portfolio zählen Zalando, Delivery Hero, SumUp und Flixbus.
Ähnlich breit aufgestellt ist Earlybird Venture Capital, seit 1997 aktiv und mit Büros in mehreren europäischen Städten. Der Fonds fährt eine differenzierte Strategie über mehrere Teilfonds: der Kernfonds für west- und zunehmend auch mitteleuropäische Digitalmodelle, einen separat geführten Health-Fund mit Fokus auf Digital Health und Life Sciences sowie Earlybird-X für Pre-Seed-Investments an Universitäten.
Target Partners zählt ebenfalls zu den etablierten Namen und investiert mit rund 300 Millionen Euro verwaltetem Vermögen in frühphasige Technologieunternehmen aus der DACH-Region, darunter der Smart-Home-Anbieter Tado.
UVC Partners, die Venture-Capital-Gesellschaft hinter dem Innovationszentrum UnternehmerTUM, sammelte 2024 für seine vierte Generation 250 Millionen Euro ein. Anfang 2026 stockten sie diesen Fonds zusätzlich um 150 Millionen Euro Wachstumskapital auf, sodass insgesamt 400 Millionen Euro zur Verfügung stehen (Stand März 2026). Das verwaltete Gesamtvermögen liegt damit bei über 600 Millionen Euro. UVC investiert typischerweise zwischen einer und zehn Millionen Euro initial, mit einem Gesamtinvestment von bis zu 30 Millionen Euro pro Startup, mit Fokus auf Deeptech, Climatetech, Mobilität und KI. Zu den bekanntesten Beteiligungen zählen Flix, Isar Aerospace, Aleph Alpha und Proxima Fusion.
Deeptech als Münchner Spezialität
Kaum eine deutsche Stadt hat sich so konsequent auf Deeptech ausgerichtet wie München, und das zeigt sich auch bei den Fonds. Vsquared Ventures schloss 2024 seinen zweiten Fonds mit 214 Millionen Euro. Investiert wird in sechs Themenfeldern: KI und Software der nächsten Generation, Energiewende, neue Computertechnik und Sensorik, Raumfahrt, Biotechnologie sowie Robotik und Fertigung, mit Ticketgrößen zwischen 500.000 und fünf Millionen Euro. Zum Portfolio gehören Isar Aerospace, Neura Robotics und The Exploration Company.
Matterwave Ventures konzentriert sich auf frühphasige Startups, die industrielle Transformation vorantreiben, etwa in Automatisierung, neuen Materialien und Industriesoftware. Vito Ventures investiert in Early- und Growth-Stage-Startups aus IoT, Machine Intelligence, Hardware, Deeptech und Cybersecurity.
Öffentliche Fonds als Anker- und Co-Investoren
Für sehr frühe Phasen sind die öffentlichen Fonds relevant. Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) hat seinen Sitz zwar in Bonn, zählt aber trotzdem zu den wichtigsten Kapitalgebern für Münchner und bayerische Startups.
Der HTGF ist Deutschlands größter und aktivster Seed-Investor und verwaltet inzwischen rund 1,4 Milliarden Euro. Seit 2005 wurden mehr als 700 Startups begleitet. Der HTGF investiert branchenübergreifend in digitale Geschäftsmodelle, Industrialtech, Life Sciences und Chemie, mit einer Summe initial bis zu einer Million Euro und insgesamt bis zu vier Millionen Euro pro Startup.
Außerdem arbeitet der HTGF häufig mit Bayern Kapital zusammen, der landeseigenen Venture-Capital-Gesellschaft und hundertprozentigen Tochter der LfA Förderbank Bayern. Bayern Kapital investiert seit 1995 mit Tickets zwischen 250.000 und 50 Millionen Euro von der Pre-Seed- bis zur Scaleup-Phase. Zentrale Voraussetzung ist ein Investment pari passu, also gemeinsam mit mindestens einem unabhängigen privaten Investor zu gleichen Konditionen. Für Startups im Großraum München ist der Innovationsfonds II zuständig, für den Rest Bayerns der Innovationsfonds EFRE II. Ende 2025 kündigte der Freistaat mit der Initiative ‚VC4Start-ups‘ zusätzliche 750 Millionen Euro staatliches Wagniskapital an, unter anderem für einen neu aufgelegten Innovationsfonds III mit 100 Millionen Euro Volumen.
Impact- und Nischenfonds
Nicht jeder Münchner Fonds jagt die nächste Milliardenbewertung. Ananda Impact Ventures verwaltet rund 200 Millionen Euro über mehrere Core-Impact-Fonds und finanziert Technologieunternehmen mit klarem sozialem oder ökologischem Nutzen, etwa die Bionikprothesen-Firma Open Bionics oder den Satelliten-Waldbrandüberwacher OroraTech.
BonVenture verfolgt einen ähnlichen Ansatz für Sozialunternehmen im deutschsprachigen Raum. Wellington Partners investiert branchenübergreifend in europäische Technologie- und Life-Science-Unternehmen und war früh an Spotify und UiPath beteiligt. Alstin Capital, die Investmentgesellschaft von Carsten Maschmeyer, fokussiert sich auf wachstumsstarke B2B-Technologieunternehmen in der DACH-Region zur Seed- und Series-A-Phase. Venture Stars wiederum hat sich auf frühe Digitalmodelle im B2C- und B2B-Bereich spezialisiert. Picus Capital verfolgt einen langfristig orientierten Investmentansatz ohne festen Exit-Druck, und 42CAP investiert als Seed-Fonds gezielt in daten- und technologiegetriebene Unternehmen mit globalem Anspruch.
Neue Venture Capital Fonds 2025/2026
Der Münchner VC-Markt bleibt in Bewegung. Anfang 2026 legte das Münchner Team von Vanagon Ventures seinen ersten Fonds mit 20 Millionen Euro auf und investiert bereits ab der Pre-Seed-Phase in B2B-Startups aus Deeptech und Künstlicher Intelligenz, mit Schwerpunkt auf Robotik, Quantencomputing und Frontier Software. General Partnerin Susanne Fromm begründet das damit, dass viele InvestorInnen Pre-Seed meiden, weil sie an SaaS-Logiken festhalten, die nicht zur Skalierung von Deeptech passen.
Auch b2venture, kein reiner Münchner Fonds, aber mit enger Anbindung an die süddeutsche Szene, schloss seinen fünften Fonds mit einem Hard Cap von 150 Millionen Euro und plant rund 35 neue Investments europaweit.
Worauf GründerInnen bei der Auswahl achten sollten
Die schiere Anzahl an Fonds macht die Auswahl nicht leichter. Ein paar Kriterien helfen bei der Eingrenzung:
Stage-Fit: Wer noch kein fertiges Produkt hat, sollte sich nicht an Fonds wenden, die vorrangig Series B und später finanzieren. Bayern Kapital, HTGF oder Vanagon Ventures sind für die früheste Phase gebaut, UVC Partners und Vsquared Ventures decken inzwischen ein breiteres Spektrum ab, HV Capital und Earlybird begleiten Startups oft über mehrere Runden hinweg.
Sektor-Fit: Ein Fonds, der sich auf Deeptech und Industrialtech spezialisiert hat, wird ein Consumer-App-Startup selten finanzieren, selbst wenn die Zahlen stimmen. Die thematischen Schwerpunkte der Fonds entscheiden häufig schon vor dem ersten Pitch über die Erfolgsaussichten.
Ticketgröße: Wer 300.000 Euro Pre-Seed-Kapital sucht, ist bei einem 400-Millionen-Euro-Fonds wie UVC Partners falsch aufgehoben, dessen initiale Tickets deutlich höher liegen. Umgekehrt lohnt sich bei Wachstumsrunden im zweistelligen Millionenbereich kein Gespräch mit reinen Seedfonds.
Netzwerk hinter dem Kapital: Fonds wie UVC Partners mit Anbindung an UnternehmerTUM oder HTGF mit seinem bundesweiten Partnernetzwerk bieten neben Geld auch Zugang zu Industriekunden, Talenten und Folgeinvestoren. Gerade in der Frühphase kann dieser Zugang wertvoller sein als ein etwas höheres Investment ohne Netzwerkeffekt.
Portfolio des jeweiligen Fonds: Wie haben sie sich in schwierigen Phasen verhalten, etwa bei Pivots oder Anschlussfinanzierungen? Gespräche mit GründerInnen aus dem Bestandsportfolio liefern hilfreiche Antworten.
Pari-passu: Ohne einen unabhängigen privaten Co-Investor zu denselben Konditionen kommt in der Regel keine Beteiligung mit öffentlichen Fonds zustande. Wer ausschließlich auf staatliches Kapital hofft, sollte diese Pari-passu-Logik von Anfang an mitdenken.
Fazit
Die Münchner VC-Szene reicht von generalistischen Milliarden-Fonds bis zu spezialisierten Nischenanbietern und deckt damit nahezu jede Phase und jeden Sektor ab. Wer die Auswahl nicht dem Zufall überlässt, sondern gezielt vorgeht, spart sich Monate frustrierender Pitches.