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Von Trade Sale bis IPO – Die wichtigsten Exit-Optionen

henseleit

henseleit

27. Juni 2026

1 Min. Lesezeit

Der Exit bezeichnet den Weg, auf dem das Gründerteam und gegebenfalls auch die InvestorInnen ihre Anteile zu Geld machen. Im Kern gibt es drei Optionen: den Verkauf des gesamten Unternehmens, den Verkauf einzelner Anteile und den Gang an die Börse. Welche Möglichkeit davon passt, hängt von der Größe des Unternehmens, seiner Reife und den Zielen der Beteiligten ab.

Der Trade Sale: der häufigste Weg

Der mit Abstand häufigste Exit ist der Verkauf des Unternehmens per Trade Sale. Käufer ist entweder ein strategischer Interessent aus der eigenen Branche oder ein Finanzinvestor. Strategisch motivierte Käufer zahlen oft mehr, weil sie das Startup typischerweise in ihr Geschäft einfügen und dadurch Synergien erwarteten. Finanzinvestoren dagegen rechnen nüchterner, basierend auf Ertrag und Wachstum.

Beim Trade Sale kommt es nicht nur auf den Preisbetrag an, sondern auch auf die Struktur des Preises. Entscheidend ist, wie viel Kapital sofort in bar fließt und wie viel an Bedingungen geknüpft ist. Ein Earn-out zum Beispiel koppelt einen Teil des Kaufpreises an künftige Ziele und verschiebt das Risiko zu den GründerInnen, die das Unternehmen dann oft nicht mehr allein steuern. Ein niedrigerer, sicherer Preis kann deshalb besser sein als ein hoher mit langem Earn-out. Ebenso wichtig ist, was der Käufer tatsächlich will: Geht es ihm vor allem um das Team, hängt der Preis meist an Halte-Klauseln, die die GründerInnen für Jahre binden. Am stärksten wird der Kaufpreis aber vom Wettbewerb getrieben. Wer mehrere Käufer parallel anspricht, statt exklusiv mit einem zu verhandeln, verhandelt aus einer besseren Position.

Secondary: Anteile abgeben, ohne das ganze Unternehmen zu verkaufen

Beim Secondary verkaufen einzelne Gesellschafter ihre Anteile an neue InvestorInnen, während das Geschäft unverändert weiterläuft. Anders als beim Trade Sale wechseln nicht alle, sondern nur bestimmte Anteile den Besitzer. Häufig nutzen frühe InvestorInnen oder GründerInnen diesen Weg, um Anteile zu Geld zu machen, ohne das Unternehmen vollständigen verkaufen zu müssen. Für GründerInnen zum Beispiel kann ein Secondary eine gewisse finanzielle Sicherheit schaffen, ohne dass sie das Unternehmen aus der Hand geben. Wer zum Beispiel über Jahre ein wachsendes Unternehmen aufbaut, aber privat wenig Spielraum hat, kann mit dem Anteilsverkauf finanziell Luft schaffen, und weitgehen Kontrolle über das Startup wahren. Frühe InvestorInnen wiederum können so einen Teil ihrer Rendite realisieren. Ein Secondary ist also kein vollständiger Exit, und er setzt immer voraus, dass sich ein Käufer für die Anteile findet. Das geschieht oft im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde, ist aber auch unabhängig davon möglich, etwa über spezialisierte Investoren oder Fonds. Ein Secondary ist darum häufig eher eine Zwischenlösung als ein Endpunkt.

Der Börsengang: die seltene Ausnahme

Der Börsengang, oder Inital Public Offering (IPO), bringt ein Unternehmen an die Börse und macht seine Anteile öffentlich handelbar. Er verschafft frisches Kapital und Liquidität, das allerdings selten auf einen Schlag. GründerInnen und große Anteilseigner bleiben nach dem Börsengang meist für eine bestimmte Zeit gebunden und können nicht sofort verkaufen. Ein sofortiger vollständiger Ausstieg ist ein IPO also in der Regel nicht. Vor allem aber sind die Voraussetzungen für einen Börsengang hoch. Ein Unternehmen braucht eine gewisse Größe, planbares Wachstum, belastbare Zahlen und muss den Berichts- und Transparenzpflichten eines börsennotierten Unternehmens dauerhaft nachkommen. Hinzu kommt die Abhängigkeit vom Marktfenster. Ein schwaches Börsenumfeld kann dazu führen, dass ein geplanter Börsengang verschoben werden muss oder diesen komplett verhindern.

Für die meisten Startups ist ein IPO keine Option. Er bietet sich jedoch an für besonders große und reife Unternehmen. In Deutschland gibt es dafür auch Möglichkeiten unterhalb des Prime Standards. Mit dem Scale-Segment führt die Deutsche Börse einen Wachstumsmarkt für kleinere und mittlere Unternehmen mit niedrigeren Einstiegshürden. Dieser stellte in den letzten Jahren einen Teil der Neuzugänge. Doch auch dort bleibt ein Börsengang die Ausnahme, die Zahl der IPOs in Deutschland ist insgesamt niedrig.

Timing oft enstscheidender Faktor

Das Timing ist immer ein entscheidender Faktor, denn alle drei Optionen hängen vom Marktumfeld ab. In Phasen mit vielen kauffreudigen Konzernen und hohen Bewertungen fällt ein Verkauf leichter und bringt bessere Preise, in schwachen Marktphasen wird er zäh bis unmöglich. Ein Börsengang reagiert nochmal deutlich sensibler auf die Stimmung und Markt und lässt sich kaum erzwingen. Der ideale Weg zum falschen Zeitpunkt bringt immer weniger als ein solider Weg im richtigen Moment. Ein Gründerteam sollte langfristig eine Ausgangsposition aufbauen, in der es nicht unter Druck verkaufen muss, sondern im Zweifel auf ein günstiges Marktfenster warten kann. Wer aus einer Notlage heraus verkauft, etwa weil das Kapital knapp wird, hat in jedem Fall eine schlechte Verhandlungsposition. Darum gilt es, einen Exit früh vorzubereiten, um zum richtigen Zeitpunkt bereit zu sein.

Welcher Weg der richtige ist

Welche Optionen für den Exit offenstehen, hängt in erster Linie von der Größe und Reife des Unternehmens ab. Während ein Trade Sale in fast jeder Phase möglich ist, verlangt ein IPO Dimensionen, welche die meisten Startups nie erreichen. Ein wichtiger Aspekt ist zudem, ob die GründerInnen das Unternehmen komplett verlassen oder daran weiterbauen wollen. Hinzu kommen die Interessen von BestandsinvestorInnen, die nicht immer mit denen der GründerInnen übereinstimmen. Ein Fonds mit begrenzter Laufzeit drängt womöglich auf einen Verkauf zu einem Zeitpunkt, den die GründerInnen für zu früh halten. Solche Unterschiede sollten offen besprochen werden, bevor ein Verkaufsprozess beginnt. Am Ende liegt richtige Weg immer in dem Korridor, den Reife, Marktumfeld und Anteilseigner vorgeben.

Fazit: Bester Weg passt zur Lage

Ob Trade Sale, Secondary oder IPO – keine dieser Optionen ist „besser“ als die andere. Entscheidend ist, welcher Weg zur Größe des Unternehmens, den Zielen der GründerInnen und zum Marktumfeld passt. Für die meisten Startups ist das ein Verkauf die richtige Wahl, manche nutzen einen Secondary als Zwischenschritt, und nur sehr wenige Unternehmen landen an der Börse.