Mit einer Übernahme schärft das Münchner Startup Code Gaia seinen Fokus auf Produkt-Compliance: Das Dachunternehmen, die House of Gaia Holding, kauft den auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) spezialisierten Softwareanbieter Codio Impact. Die Transaktion soll die Code-Gaia-Software so erweitern, dass Unternehmen ESG-Vorgaben künftig auch auf Produktebene abbilden können.
Nach einer ersten Regulierungswelle rund um Nachhaltigkeit rücken nun zunehmend Anforderungen auf Produktebene in den Fokus. Ein Beispiel ist die europäische Verpackungsverordnung Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die neue Vorgaben für Verpackungen und den Einsatz von Rezyklaten vorsieht. Hinzu kommen weitere Regelwerke wie die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) für entwaldungsfreie Lieferketten und die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) mit Anforderungen an nachhaltige Produkte. Ebenso der Digitale Produktpass für produktbezogene Informationen entlang des Lebenszyklus sowie die Chemikalienverordnung REACH und die RoHS-Richtlinie, die bestimmte gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten beschränkt. Mit der Übernahme will Code Gaia seine Software und damit seine Kunden frühzeitig auf diese Entwicklungen ausrichten.
Übernahme erweitert Produkt-Compliance
Codio Impact konzentriert sich auf Industriebranchen wie Bau-, Entsorgungs- und Versorgungswirtschaft und verknüpft ESG-Software mit KI-gestützten Branchenempfehlungen.
Tilman Kemper, Mitgründer von Codio Impact, sagt:
„Mittelständische, oftmals familiengeführte Unternehmen denken nicht in Quartalen. Sie planen in Generationen. Sie benötigen eine Lösung, die sich wirtschaftlich rechnet. (…) Jede Branche tickt anders und unsere Kunden suchen nicht nur nachhaltiges, sondern auch sektorspezifisches Verständnis.“
Kemper übernimmt bei Code Gaia eine führende Rolle im Bereich Partnerschaften. Seine Mitgründerin Sonja Radovic Paul wird Legal Counsel und soll die rechtliche Perspektive auf die wachsenden ESG-Anforderungen einbringen.
Bereits heute bietet Code Gaia nach eigenen Angaben ein PPWR-Modul an, das erweitert werden soll, sobald neue Anforderungen finalisiert sind. Dieses Prinzip – die Software schrittweise an neue regulatorische Vorgaben anzupassen – soll künftig für das gesamte Portfolio gelten. Ziel ist eine Plattform, die sich fortlaufend an veränderte Anforderungen anpasst und Unternehmen langfristig bei der Umsetzung neuer ESG-Vorgaben unterstützt.
Markus Adler, CEO von Code Gaia, sagt:
„Nachhaltigkeit im Mittelstand kann nur wirtschaftlich profitabel sein, wenn Unternehmen in der Lage sind, schnell auf regulatorische Änderungen einzugehen. Genau das liefern wir mit der Code Gaia Software, die wir permanent weiterentwickeln. Mit Codio Impact holen wir nun Branchen-Know-how ins Haus.“
Die Übernahme ist bereits der zweite strategische Schritt der House of Gaia Holding innerhalb weniger Wochen. Erst im Mai hatten sich die ESG-Softwareanbieter Code Gaia und I Planted zusammengeschlossen, um einen integrierten Anbieter für ganzheitliches Nachhaltigkeitsmanagement im Mittelstand aufzubauen.






