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Die GmbH bekommt Konkurrenz: Startups hoffen auf die neue Rechtsform EU Inc.

Die GmbH bekommt Konkurrenz: Startups hoffen auf die neue Rechtsform EU Inc.

Bernd Heppel

Bernd Heppel

Bernd Heppel ist Online- und Multimedia-Redakteur bei Munich Startup. Er verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in digitalem Journalismus, Social Media, Content-Produktion und PR– unter anderem beim Burda Verlag und bei der Bavaria Fiction.

10. Juli 2026

4 Min. Lesezeit

Die hohe Zustimmung unter GründerInnen verdeutlicht, wie groß der Bedarf an einer europaweit einheitlichen Rechtsform ist. Während Startups heute bei der Expansion in andere EU-Länder häufig mit unterschiedlichen nationalen Gesellschafts- und Verwaltungsregeln konfrontiert sind, soll die EU Inc. genau diese Hürden abbauen und grenzüberschreitendes Wachstum erleichtern.

EU Inc. soll Expansion innerhalb Europas vereinfachen

Nach den Vorstellungen der Europäischen Union soll die sogenannte EU Inc. – auch als „28th Regime“ bezeichnet – eine standardisierte Gesellschaftsform für innovative Unternehmen schaffen. Ziel ist es, Gründungen zu vereinfachen und Startups den Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu erleichtern.

Laut der aktuellen Bitkom-Befragung würden 62 Prozent der befragten Tech-Startups ihr nächstes Unternehmen als EU Inc. gründen. 28 Prozent wollten oder konnten sich dazu noch nicht äußern. Nur jeder zehnte Befragte schließt eine Gründung unter der neuen Rechtsform aus.

„Europa braucht mehr Tech-Startups. Die EU Inc. würde das Gründen stark vereinfachen und Wachstum außerhalb der nationalen Grenzen erleichtern“,

sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Die breite Zustimmung zeige, dass die EU mit ihren Plänen „die Weichen richtig stellt“.

Grenzüberschreitende Expansion hat höchste Priorität

Besonders deutlich wird die Erwartung der Startups an den praktischen Nutzen der neuen Rechtsform. Fast alle Befragten nennen die unkomplizierte Expansion innerhalb der EU als entscheidenden Erfolgsfaktor.

Damit die EU Inc. wirklich erfolgreich sein kann und dem Startup-Ökosystem einen Schub verleiht, muss sie nach Ansicht der GründerInnen vor allem die Expansion in andere EU-Länder ohne lokale Tochtergesellschaften ermöglichen – das halten 94 Prozent für sehr oder eher wichtig. Knapp dahinter folgt ein rein digitaler und automatisierter Prozess über einen One-Stop-Shop (91 Prozent), also eine einheitliche Anlaufstelle auf Seiten der zuständigen Behörden.

82 Prozent ist eine digitale Anteilsübertragung ohne Notar oder andere zusätzliche Stellen und Personen wichtig, 78 Prozent die freie Wahl des Gesellschaftssitzes innerhalb der EU. Für jeweils rund zwei Drittel sollte die EU Inc. einen EU-weit einheitlichen Mustervertrag für Startup-Investments bieten (69 Prozent), einheitliche Regelungen zur Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligung schaffen (67 Prozent) sowie arbeits- und sozialpolitische Regeln harmonisieren (67 Prozent). Die Gründung innerhalb von 48 Stunden ist ebenfalls für 67 Prozent entscheidend, damit die EU Inc. erfolgreich wird. Am seltensten genannt werden die geplanten niedrigen Kosten von 100 Euro für die Gründung, dies halten nur 57 Prozent der GründerInnen für wichtig.

Die Ergebnisse zeigen, dass für GründerInnen weniger die Kosten einer Unternehmensgründung im Vordergrund stehen als der Abbau administrativer und rechtlicher Hürden beim Wachstum innerhalb Europas.

Auch aus Sicht von InvestorInnen ist die Einführung der EU Inc. ein wichtiger Schritt. Katja Ruhnke, Vorsitzende des Business Angels Deutschland e.V. (BAND) sowie CEO und Co-Founderin der CK Venture Capital GmbH, sieht dringenden Handlungsbedarf:

„Die Einführung der EU Inc. ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt, der nun zügig umgesetzt werden muss. Europa kann im globalen Wettbewerb mit den USA und Asien nur bestehen, wenn wir den Binnenmarkt auch für innovative Unternehmen und InvestorInnen endlich vereinfachen. Heute sind unsere Systeme nach wie vor zu komplex, besonders in Deutschland, aber auch in vielen anderen europäischen Ländern.“

Weniger Bürokratie soll Investitionen beschleunigen

Ein zentrales Anliegen aus Sicht der Business Angels ist die Vereinfachung von Finanzierungsprozessen. Ruhnke kritisiert insbesondere die derzeitigen formalen Anforderungen bei Kapitalmaßnahmen:

„Aus Sicht des Business Angels Deutschland e.V. (BAND) ist insbesondere die Abschaffung der Notarpflicht bei jeder Kapitalerhöhung ein entscheidender Hebel. Dass jede Finanzierungsrunde mit einem notariellen Verfahren verbunden ist, verursacht für Startups und Investoren erhebliche Kosten und vermeidbare Zeitverluste.“

Auch die grenzüberschreitende Finanzierung innerhalb Europas müsse deutlich einfacher werden.

„Aktuell scheitern oder verzögern sich Investitionen häufig an bürokratischen Hürden wie Apostillen, unterschiedlichen Registeranforderungen oder formalen Vorgaben, die von Land zu Land variieren. Das steht einem funktionierenden europäischen Kapitalmarkt entgegen“,

so Ruhnke.

Neben gesellschaftsrechtlichen Vereinfachungen sieht sie weiteren Handlungsbedarf bei den regulatorischen Rahmenbedingungen:

„Darüber hinaus brauchen wir eine stärkere Harmonisierung bei Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen, im Arbeitsrecht sowie bei steuerlichen Rahmenbedingungen. Nur wenn Europa hier einheitlichere und wettbewerbsfähigere Bedingungen schafft, können wir Talente, Kapital und Innovationen langfristig in Europa halten.“

Nicht verpassen! Katja Ruhnke ist nächste Woche in unserem Podcast „Pitch & People“ zu Gast und spricht darüber, wie sie von der Musicaldarstellerin zur Investorin wurde und warum sie jedem raten würde, statt der nächsten teuren Handtasche lieber eine Beteiligung an einem Startup zu kaufen.

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