Maximilian Feigl berichtet seit 2020 über das Münchner Startup Ökosystem. Dabei haben es dem studierten Politikwissenschaftler vor allem Deeptech-Themen angetan.
Orbem: Seit Januar 2022 darf in Deutschland kein Eintagsküken mehr wegen seines Geschlechts getötet werden. Männliche Küken, für die es in der Eier-Industrie keine Verwendung gibt, dürfen also nicht mehr geschreddert werden. Damit diese gar nicht erst ausgebrütet werden, bringt das Münchner Startup Orbem Bildgebungstechnologien wie die Magnetresonanztomographie (MRT) mit künstlicher Intelligenz zusammen. Mit seiner Lösung können Hühnereier klassifiziert werden, bevor Küken überhaupt schlüpfen. Mithilfe der KI-gestützten MRT-Technologie können aber auch andere biologische Proben wie Lebensmittel, Pflanzenarten, Baumaterialien und der menschliche Körper gescannt werden. Die KI sorgt dafür, dass die MRT-Verfahren schneller werden, was sie nicht nur für eine Reihe von bisher unerschlossenen Märkten interessant macht – sondern auch für Investoren. Denn das Startup, das von Juli 2020 bis Dezember 2022 Mieter im Gate war, konnte erst im Oktober eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 30 Millionen Euro abschließen. (Foto: Orbem)Celus will die Elektronik-Entwicklung mit einer Cloud-basierten B2B-SaaS-Plattform optimieren. Denn in jedem elektronischen Produkt gibt es eine Leiterplatte mit kleinsten Hardware-Komponenten – und sie alle werden manuell entwickelt. Dies führt zu sehr komplexen und zeitintensiven Entwicklungszyklen, um schließlich ein finales Design mit Komponentenauswahl zu erhalten. Mit seiner Entwicklungsplattform will Celus die ElektronikentwicklerInnen mit umfangreichen Komponentendaten von Elektronikherstellern unterstützen. Und über Designautomatisierung wird das flexible Austauschen von Bestandteilen einer Leiterplatte ermöglicht. So kann der / die ElektroingenieurIn die Supply Chain eines Produktes flexibel an Lieferengpässe oder Preisänderungen ohne den üblichen manuellen Änderungsaufwand anpassen. Im Sommer 2022 sicherte sich das 2018 gegründete Startup hierfür 25 Millionen Euro in der Series-A. (Foto: Celus)Motius: Ebenfalls eng verflochten mit dem Gate ist das Forschungs- und Entwicklungs-(F&E) Unternehmen Motius. Die Firma entwickelt innovative Produkte und Prototypen aus Bereichen wie Embedded Systems, Business Software, 3D Printing, Apps, Konstruktion und Produktentwicklung. Das Besondere dabei: Neben seinem Kernteam besteht Motius aus einer großen Community aus Freelancern, StudentInnen und Young Professionals. So kann das Unternehmen für jedes Projekt ein ideales Team zusammenstellen. Darüber hinaus hat Motius seit vergangenem Jahr auch einen eigenen VC Fonds. Damit sollen Ausgründungen auf Basis der in den Projekten entwickelten Technologien unterstützt werden. (Foto: Motius)Wisefood: Das Foodtech-Startup Wisefood, das 2017 aus einem studentischen Projekt heraus startete, will den Plastik-Einweggeschirr-Markt revolutionieren. Angefangen hatte alles mit essbaren Trinkhalmen aus Pflanzenfasern. Mittlerweile umfasst das Wisefood-Sortiment fast alles rund um das Thema Einweggeschirr, vieles davon nach wie vor essbar. Seine letzte Finanzierung schloss das Startup 2021 ab, Better Ventures sowie diverse Business Angels investierten einen nicht genau bezifferten Millionenbetrag. Wisefood konnte außerdem von dem im Juli 2021 in Kraft getretenen EU-weiten Verbot für Plastik-Einweggeschirr profitieren, aktuell exportiert der Gate-Alumni nach eigenen Angaben seine Produkte in mehr als 20 Länder weltweit und konnte seit der Gründung mehr als 100 Millionen Plastikhalme ersetzen. (Foto: Wisefood)Delicious Data: Ebenfalls einen Hintergrund im Gate hat Delicious Data. Das KI-Startup will mit Machine Learning und Algorithmen gegen die Lebensmittelverschwendung ankämpfen. Seine Software-as-a-Service-Lösung soll GastronomInnen dabei unterstützen, ihre Einkäufe besser zu planen. Mittels Deep-Learning-Algorithmen analysiert die Software historische Daten der KundInnen und kombiniert diese mit weiteren externen Faktoren wie Feiertagen oder Wetterdaten, um präzise Vorhersagen für die Zukunft zu treffen. So konnte Delicious Data seit seiner Gründung 2017 laut eigenen Angaben über 820.000 Mahlzeiten retten, was 1.000 Tonnen CO2-Äquivalenten und 15 Millionen Hektoliter wirtschaftlichem Wasser entspricht. Im September 2022 schloss das Startup zudem seine bis dato letzte Finanzierung ab und erhielt von den Bestandsinvestoren Bayern Kapital und GeMü Beteiligungsgesellschaft sowie von Basinghall, Seed+Speed und mehreren Business Angels 2,5 Millionen Euro.
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