Munich Startup
Omegga: Früher erkennen, Leben retten

Omegga: Früher erkennen, Leben retten

Saskia Doll

Saskia Doll

29. Juni 2026

4 Min. Lesezeit

Munich Startup: Welchen messbaren Unterschied macht eure Lösung heute schon?

Katharina Hesseler, Mitgründerin & CEO: Mit unserem ersten Kunden Gut Averfeld konnten wir bereits Hunderttausende männliche Küken vor dem Schreddern bewahren. Das ist für uns aber erst der Anfang. Mit unserem jetzt marktreifen Produkt gehen wir aktiv in den Vertrieb. Weltweit werden jährlich rund sieben Milliarden männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet. Wir sind jetzt in der Lage, Brütereien eine Lösung anzubieten, die dieses Leid verhindert und gleichzeitig wirtschaftlich für sie profitabel ist.

Munich Startup: Warum seid ihr schneller, besser oder mutiger als etablierte Anbieter?

Katharina Hesseler: Wir haben von Anfang an auf Spektroskopie in Kombination mit KI gesetzt, was in dieser Kombination einzigartig am Markt ist. Damit können wir das Geschlecht nicht-invasiv bereits vor dem siebten Bruttag bestimmen und damit zwei bis fünf Tage früher als unsere Mitbewerber. Darüber hinaus bietet unsere Technologie zusätzliche für die Brüterei essentielle Insights. Neben der Überwachung des Befruchtungsstatus und der embryonalen Entwicklung ist gerade die wiederholte Qualitätskontrolle der Eier besonders wertvoll.

Startup-Mentalität geht vor Lebenslauf

Munich Startup: Welche Entscheidung war bisher die wichtigste?

Katharina Hesseler: Rückblickend waren es vor allem zwei Entscheidungen, die uns bis heute prägen. Erstens, von Anfang an eng am Kunden zu entwickeln und frühzeitig mit Brütereien zu sprechen, statt im Labor die vermeintlich perfekte Lösung zu bauen. Eine Brüterei hat ganz eigene Anforderungen an Zuverlässigkeit, Integration und Bedienbarkeit. Nur weil wir diese Gespräche früh gesucht haben, haben wir ein Produkt entwickelt, das wirklich gebraucht wird. Zweitens, beim Team konsequent auf Startup-Mentalität statt nur auf Lebenslauf zu setzen. In einem Deeptech-Startup gibt es konstant Probleme, für die es keine fertige Lösung gibt. Menschen, die bereit sind, die Extrameile zu gehen und Verantwortung zu übernehmen, sind dabei wertvoller als jede Qualifikation auf dem Papier.

Munich Startup: Welche Phase hat euch am meisten Wachstumsschmerzen bereitet?

Katharina Hesseler: Der Sprung von der Forschung in den echten Industriebetrieb war eindeutig die anspruchsvollste Phase. Ein Gerät im Labor zum Laufen zu bringen ist eine Sache, ein System zu bauen, das 24/7 zuverlässig unter realen Bedingungen im Brutschrank unter Wärme- und Luftfeuchtigkeitseinwirkung läuft, ist eine ganz andere. Das hat uns als Team herausgefordert, aber auch enorm weitergebracht.

Munich Startup: Wo wollt ihr in fünf Jahren stehen und was muss bis dahin zwingend passieren?

Katharina Hesseler: Unser erstes Ziel ist es, uns in der Geflügelindustrie als die führende Geschlechtsbestimmungs-Lösung zu etablieren. Dafür müssen wir unsere Marktpräsenz konsequent ausbauen, was gleichzeitig die Datenbasis für unsere KI stärkt. Beides verstärkt sich gegenseitig. Langfristig wollen wir unsere KI-Spektroskopie-Technologie auf weitere Anwendungsfelder übertragen: Lebensmittelqualität, Tiergesundheit, Rohstoffanalyse oder Medizin sind Bereiche, in denen diese Technologie enormes Potenzial hat.

Mehr Unterstützung bei Industrialisierung

Munich Startup: Was funktioniert im Münchner Startup-Ökosystem besonders gut und wo wünscht ihr euch mehr Unterstützung?

Katharina Hesseler: München hat uns als Standort viel gegeben: die Nähe zur TU und Hochschule München, ein starkes Investorennetzwerk und ein wachsendes Deeptech-Ökosystem. Gerade der enge Draht zur Forschung und der Zugang zu hervorragenden Talenten waren für uns als Hardware-Startup entscheidend. Mehr Unterstützung wünschen wir uns vor allem beim Sprung von der Entwicklung in die Industrialisierung, also dort, wo es um bezahlbare Flächen, Fertigungsinfrastruktur und geduldiges Kapital für Hardware geht. Deeptech braucht längere Zeithorizonte als Software und genau diese Phase ist im Ökosystem noch unterversorgt. Wenn wir es schaffen, hier ähnlich starke Strukturen aufzubauen wie für die frühe Gründungsphase, kann München zu einem echten Deeptech-Hub werden.

Munich Startup: Internationalisieren oder erst Marktführerschaft DACH?

Katharina Hesseler: Gerade Deutschland ist als Einstiegsmarkt attraktiv, weil es seit 2022 ein klares gesetzliches Verbot des Kükentötens gibt und das natürlich eine unmittelbare Nachfrage schafft. Gleichzeitig ist unsere Technologie international relevant, weil wir Brütereien nicht nur eine tierschutzkonforme Lösung bieten, sondern ihnen auch Kapazitätsvorteile und neue Prozessinformationen liefern. Dadurch stoßen wir auch in Märkten ohne politischen Druck auf großes Interesse. Für uns geht beides Hand in Hand. Deutschland dient als starke Referenz, während wir international einen klaren Wachstumspfad verfolgen.

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