Munich Startup
Ororatech schickt ersten Kleinsatelliten ins All

Ororatech schickt ersten Kleinsatelliten ins All

Regina Bruckschlögl

Regina Bruckschlögl

Nach eigenen Startup-Erfahrungen blickt sie als Redakteurin von Munich Startup nun aus einer anderen Perspektive auf die Münchner Startup-Szene – und entdeckt dabei jeden Tag, wie vielfältig das Münchner Ökosystem ist. Startup Stories, die erzählt werden wollen!

28. Oktober 2021

3 Min. Lesezeit

Um Wetterextreme weltweit schneller zu erkennen arbeitet Ororatech an einem Frühwarnsystem. Aktuell kann es mehrere Stunden oder sogar Tage dauern, bis ein Brandherd durch Menschen vor Ort, Flugzeuge oder Drohnen identifiziert und gemeldet wird. Ein Feuer kann sich in dieser Zeit schon weit ausgebreitet haben. Thomas Grübler, einer der Gründer von Ororatech, meint dazu:

„Wenn wir Wald- und Buschbrände bekämpfen, illegale Brandrodungen stoppen und damit auch die CO2-Emission reduzieren wollen, brauchen wir ein globales Frühwarnsystem. Mit Satelliten lassen sich Brände früher detektieren und genauer beobachten. Mit Hilfe dieser Informationen können Einsatzkräfte vor Ort Brände schneller und gezielter bekämpfen.“

Das Münchner Startup konnte die Entwicklung einer Waldbrand-Warn-App, die für jeden beliebigen Ort der Welt die Wärme-Messungen von Satelliten mit lokalen Wetterwerten oder Kamerasystemen kombiniert, nach Brandherden sucht und auf Wunsch Warnmeldungen an die Nutzer schickt, mittlerweile abschließen. Die Plattform wird nach Angaben des Unternehmens bereits von Kunden genutzt, darunter Feuerwehren und Behörden in Kanada und Australien, Waldbesitzer in Chile und Brasilien sowie Versicherungen und NGOs. Künftig sollen auch StadtplanerInnen die App nutzen können, um beispielsweise besonders erhitzte Regionen in den Ballungsgebieten zu lokalisieren und die Daten mit Archiven zu vergleichen.

Beobachtungslücke am Nachmittag

Noch verwenden die Algorithmen, die den Auswertungen zugrunde liegen, Daten, welche die großen Erdbeobachtungssatelliten – beispielsweise der ESA und der NASA – liefern.

„Diese Wissenschaftssatelliten sind allerdings so platziert, dass eine Beobachtungslücke am Nachmittag entsteht, genau zu der Zeit, in der die Waldbrandgefahr besonders hoch ist. Diese Lücke können wir mit kleinen Satelliten, die neue Orbitebenen abdecken, schließen und so die zeitliche Auflösung verbessern“,

erläutert Martin Langer, Leiter der Technikentwicklung bei Ororatech.

Anfang 2022 soll es losgehen

Die nicht einmal vier Kilo schweren Kleinsatelliten für die Detektion von Waldbränden werden jetzt im Münchner Labor des Unternehmens gebaut. Jeder wird mit einer thermischen Infrarotkamera ausgerüstet. Der erste Satellit soll Anfang 2022 an Bord einer Rakete eines Weltraumtransport-Dienstleisters in den Orbit reisen. Noch im selben Jahr soll mindestens ein weiterer folgen. Die Finanzierung dafür steht: 5,8 Millionen Euro Wagniskapital konnte Ororatech in einer Series-A-Runde diesen Sommer dafür einsammeln.

„Wenn alles klappt wie geplant, können wir innerhalb der nächsten zwei Jahre mit 14 Kleinsatelliten die Beobachtungslücke der großen Erdbeobachtungssatelliten schließen. Das wäre ein großer Fortschritt für unsere Kunden, und von dort können wir das System auf 30 bis 60 Minuten Vorwarnzeit skalieren“,

resümiert Langer.

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