Munich Startup
Patalyze: KI für Patententscheidungen

Patalyze: KI für Patententscheidungen

Saskia Doll

Saskia Doll

17. Juli 2026

4 Min. Lesezeit

Munich Startup: Welchen messbaren Unterschied macht eure Lösung heute schon?

Daniel Stoll, Gründer & CEO: Eine Freedom-to-Operate-Analyse, bei der geprüft wird, ob ein Produkt bestehende Patente verletzt, dauert klassisch Wochen und kostet mehrere Tausend Euro. Patalyze liefert erste Ergebnisse in unter fünf Minuten für rund drei Euro pro geprüftem Patent. So wird aus dem Claim Chart, einem Arbeitsprodukt, das früher viele Anwaltsstunden kostete, ein einzelner Datenpunkt in einer umfassenden Analyse. Der entscheidende Hebel ist die Abdeckung: Wo bisher mangels Ressourcen nur ein Bruchteil der relevanten Schutzrechte geprüft werden konnte, finden wir die Nadel im Heuhaufen und senken so das Risiko, ein verletztes Patent zu übersehen.

Munich Startup: Warum seid ihr schneller, besser oder mutiger als etablierte Anbieter?

Daniel Stoll: Etablierte Tools arbeiten in der Regel ausschließlich mit Patentdaten und machen diese in irgendeiner Form durchsuchbar. Das ist naheliegend, weil diese Daten bereits gut strukturiert und öffentlich verfügbar sind. Allerdings sind diese Informationen meist zu abstrakt, um darauf faktenbasierte Entscheidungen zu stützen.

Praxisrelevant werden Patente erst, wenn man versteht, welche Produkte in ihren Schutzbereich fallen. Deshalb bezieht Patalyze auch Produktdaten in die Analyse ein, die deutlich schwieriger zu verarbeiten sind, da sie unstrukturiert und in den unterschiedlichsten Formaten vorliegen. Durch den Abgleich von Produktmerkmalen und Schutzbereichen werden Patentverletzungen erkennbar, eine solide Basis für strategische Entscheidungen.

„Der Schmerzpunkt liegt im Mapping zwischen Produkt und Patent“

Munich Startup: Welche Entscheidung war bisher die wichtigste?

Daniel Stoll: Architektonisch war die Entscheidung, einen eigenen Daten- und Präsentationslayer zu bauen, statt lediglich ein Sprachmodell auf eine fremde Datenbank zu setzen, der wichtigste Schritt. Strategisch ist für uns zentral, dass wir uns auf Freedom-to-Operate und Claim-Chart-Automatisierung fokussieren, statt „noch ein KI-Patent-Suchtool“ zu bauen. Der Markt ist voll von Suchwerkzeugen – der eigentliche Schmerzpunkt liegt jedoch im manuellen Mapping zwischen Produkt und Patent.

Munich Startup: Welche Phase hat euch am meisten Wachstumsschmerzen bereitet?

Daniel Stoll: Der Sprung vom funktionierenden Prototyp zu einem skalierbaren System. Der erste Prototyp war schon sehr beeindruckend und das Gefühl, ein einsatzfähiges Produkt gebaut zu haben, erzeugt Ungeduld. Tatsächlich erfordert es einiges an Entwicklungsarbeit, ein System für viele Nutzer und große Datenmengen aufzubauen. Entsprechend mussten wir in dieser Phase unsere Architektur mehrmals über Bord werfen.

Patalyze wurde 2024 von Daniel Stoll gegründet und entwickelt KI-gestützte Software für Patentanalysen. Das Startup automatisiert sogenannte Freedom-to-Operate-Prüfungen und unterstützt Unternehmen dabei, Patentrisiken schneller und fundierter zu bewerten.
Gründer und CEO Daniel Stoll studierte Data Engineering & Analytics an der Technischen Universität München mit Schwerpunkt auf Graphen, Graph-Analytics und Machine Learning. Zuvor arbeitete er unter anderem als Software Engineer bei Mgm Technology Partners, am Leibniz-Rechenzentrum sowie in Forschungsprojekten an der TU München.

Munich Startup: Wo wollt ihr in fünf Jahren stehen und was muss bis dahin zwingend passieren?

Daniel Stoll: In fünf Jahren ist Patalyze der Standard-Layer, auf dem patentbezogene Geschäftsentscheidungen getroffen werden. Dafür müssen Patentexperten zu AI Natives werden. Da diese Zielgruppe traditionell sehr technologieoffen ist, bin ich zuversichtlich, dass dies gelingt.

München als Mekka der europäischen Patentszene

Munich Startup: Was funktioniert im Münchner Startup-Ökosystem besonders gut und wo wünscht ihr euch mehr Unterstützung?

Daniel Stoll: Mit dem Europäischen Patentamt, dem Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA), dem Bundespatentgericht, dem Einheitlichen Patentgericht (UPC) und den Landgerichten lässt sich München durchaus als das Mekka der europäischen Patentszene beschreiben. Hinzu kommt die hohe Dichte an Unternehmen aus IP-intensiven Branchen. Das ist ein guter Nährboden für uns.

Wenn es aber darum geht, mit Gründerinnen und Gründern sowie Deeptech-Talenten in Kontakt zu kommen, bieten die TU München und UnternehmerTUM ein exzellentes Umfeld. In Formaten wie den Patenza-Runden entsteht genau die Kombination aus IP-Recht und Tech, die für uns passt. Besonders hervorzuheben ist hier die Arbeit des Legal Tech Colab: Das Team hat ein offenes Ohr für die Bedürfnisse des Ökosystems und setzt sich für Unternehmen wie uns ein.

Munich Startup: Internationalisieren oder erst Marktführerschaft DACH?

Daniel Stoll: Das Produkt spricht von Natur aus eine globale Gruppe von Tech-Firmen an, da nahezu alle ihre Patente in der Regel auch in Europa anmelden. Patente werden zwar lokal angemeldet, aber die Anmelder kennen keine Grenzen und unsere Analysen laufen auf einem weltweiten Korpus und auf Englisch. Wir internationalisieren also nicht erst „später“, im Kern sind wir es schon. Bewusst in der DACH-Region verankern wir das Vertrauen in Patalyze: über die ersten Referenzkanzleien und IP-Abteilungen, an denen sich zeigt, dass sich FTO-Entscheidungen auf Patalyze stützen lassen.

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