Initiiert wurde der Aufruf vom Startup-Verband. Zu den ErstunterzeichnerInnen zählen unter anderem die GründerInnen von elf aktuellen deutschen Unicorns sowie weitere führende Köpfe aus Wirtschaft und Startup-Szene. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen und Skalierung sowie nach mehr privatem Kapital für Zukunftsinvestitionen.
Appell richtet sich an Koalitionsausschuss am 1. Juli
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Vor der Sitzung des Koalitionsausschusses am 1. Juli 2026 erhöht das Startup-Ökosystem den politischen Druck. Die UnterzeichnerInnen sprechen von einer notwendigen „wirtschaftspolitischen Wende“, um Deutschland im internationalen Wettbewerb wieder stärker zu positionieren.
Im Mittelpunkt stehen Zukunftsthemen wie Wachstumsfinanzierung, Bürokratieabbau, Mitarbeiterkapitalbeteiligungen, Deeptech-Förderung und digitale Souveränität. Nach Ansicht der InitiatorInnen entstehen die nächsten globalen Technologieführer nur dort, wo Gründungen einfach möglich sind und Unternehmen attraktive Wachstumsbedingungen vorfinden.
Verena Pausder: „Jetzt braucht es konkrete Reformen“
Startup-Verband-Vorstandsvorsitzende Verena Pausder fordert von der Bundesregierung schnelle Entscheidungen statt weitere Ankündigungen:
„Bei der nächsten Sitzung des Koalitionsausschusses am 1. Juli 2026 darf es nicht nur um vage Absichtserklärungen gehen. Entscheidend sind greifbare Reformansätze.“
Als Beleg für den Reformbedarf verweist Pausder auf den Verlust von durchschnittlich 10.000 Industriearbeitsplätzen pro Monat im vergangenen Jahr. Deutschland verfüge weiterhin über exzellente Forschung, qualifizierte Fachkräfte und eine starke industrielle Basis. Diese Potenziale müssten jedoch deutlich besser für Innovationen genutzt werden.
Besonders hebt sie die Altersvorsorge als Hebel hervor, um mehr privates Kapital in Venture-Capital-Fonds und Wachstumsunternehmen zu lenken.
Digitale Souveränität rückt stärker in den Fokus
Der Appell greift auch aktuelle geopolitische Entwicklungen auf. Pausder verweist auf die jüngste Entscheidung der US-Regierung, den Zugang zu einer neuen Softwareentwicklung von Anthropic für ausländische NutzerInnen einzuschränken. Dies verdeutliche, wie wichtig eigene digitale Infrastruktur und unabhängige KI-Modelle für Europa seien.
Die Initiative fordert deshalb deutlich höhere Investitionen in KI-Rechenkapazitäten sowie den Ausbau einer europäischen Technologieinfrastruktur.
Die zehn Forderungen im Überblick
Die UnterzeichnerInnen fordern unter anderem:
- Öffnung der Altersvorsorge für Venture-Capital-Investitionen
- stärkere Einbindung institutioneller Investoren und Priorisierung der WIN-Initiative
- flexibleren Kündigungsschutz für Spitzenverdienende
- praxistauglichere Mitarbeiterkapitalbeteiligungen
- Einführung der europäischen Gesellschaftsform „EU Inc.“
- konsequente Umsetzung des Digital Markets Act (DMA)
- Bürokratieabbau, Belastungsmoratorium und 24-Stunden-Gründung
- stärkere Förderung von Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen
- den Staat als Ankerkunden für innovative Unternehmen etablieren
- höhere Investitionen in digitale Infrastruktur und KI-Rechenkapazitäten
Rund 500.000 Beschäftigte in deutschen Startups
Nach Angaben des Startup-Verbandes beschäftigen deutsche Startups und Scaleups inzwischen rund 500.000 Menschen. Auch der Koalitionsvertrag erkennt ihre wirtschaftliche Bedeutung an und bezeichnet Startups als „Hidden Champions und DAX-Konzerne von morgen“.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bei den German Startup Awards im Mai 2026 die Unterstützung der Bundesregierung zugesichert. Innovation und Wettbewerbsfähigkeit seien entscheidend für den Wirtschaftsstandort Deutschland, erklärte der Kanzler bei der Preisverleihung in Berlin.






