PITCH & PEOPLE Folge 40: Auditr
Im Videocast Pitch & People spricht Auditr-Gründer Elias Müller offen über die Schattenseiten des Gründens. Zwischen Vollzeitjob, schwindenden Ersparnissen und schlaflosen Nächten baut er sein Startup rund um den EU AI Act auf. Warum er trotzdem an seine Idee glaubt, wie er die ersten Kunden gewinnt und weshalb sich der erste Euro Umsatz für ihn besser anfühlen wird als jedes Gehalt.
Auditr adressiert ein hochaktuelles Thema: Das Startup unterstützt Unternehmen dabei, die Anforderungen des EU AI Acts zu verstehen und umzusetzen. Doch bevor sich Elias Müller mit Compliance, Kunden und Wachstum beschäftigen konnte, musste er zunächst die typischen Hürden eines Gründers meistern.
„Viele sprechen nicht darüber, wie Gründen wirklich ist“
Mit einem persönlichen Linkedin-Post sorgte Müller kürzlich für Aufmerksamkeit. Darin sprach er offen über seine finanzielle Situation und die Sorgen, die ihn als Gründer begleiten.
„Viele sprechen davon, dass sie die ersten Millionen geraised haben oder riesige Erfolge feiern. Keiner spricht davon, wie es wirklich am Anfang ist, Gründer zu sein,“
sagt er im Videocast Pitch & People.
Der Beitrag war gleichzeitig ein Hilferuf. Die Resonanz fiel überraschend positiv aus: Zahlreiche Menschen meldeten sich bei ihm und boten Unterstützung an. Für Müller ein Zeichen dafür, dass viele GründerInnen ähnliche Herausforderungen erleben, aber nur wenige öffentlich darüber sprechen.
Gehalt statt Investorengeld
Auditr ist erst seit wenigen Monaten am Markt. Finanziert hat Müller das Unternehmen bislang vollständig selbst. Zunächst aus seinem Gehalt als Angestellter, inzwischen zusätzlich aus seinen Ersparnissen.
„Kein Urlaub, sondern jetzt Auditr“,
beschreibt er die Entscheidung, sein Erspartes in das Startup zu investieren.
Auf Investorengelder oder eine Finanzierung von außen verzichtet der Gründer bislang. Stattdessen setzt er auf einen möglichst schlanken Aufbau und konzentriert sich darauf, das Produkt gemeinsam mit ersten NutzerInnen weiterzuentwickeln.
Vier Monate Arbeit bis zum MVP
Bevor Auditr öffentlich wurde, arbeitete Müller rund vier Monate an seinem ersten MVP. Dabei ging es nicht nur um die technische Umsetzung, sondern vor allem darum, den komplexen Text des EU AI Acts in einen verständlichen und nutzbaren Prozess für Unternehmen zu übersetzen.
„Anzufangen ist das Schwierige“,
sagt der Gründer rückblickend. Der erste Schritt sei oft der schwerste: die eigene Idee ernst zu nehmen, Zeit zu investieren und schließlich sichtbar zu werden.
Der erste Linkedin-Post, das erste Feedback und die ersten Gespräche mit potenziellen Kunden seien für ihn größere Hürden gewesen als die eigentliche Entwicklung des Produkts.
Kundengewinnung per Direktnachricht
Für die Akquise wählte Müller einen pragmatischen Ansatz. Er schrieb CIOs, CTOs und Produktverantwortliche direkt auf Linkedin an und fragte sie, wie sie mit den Anforderungen des EU AI Acts umgehen.
Dabei stellte er fest, dass viele Unternehmen das Thema noch gar nicht auf dem Schirm haben. Einige GesprächspartnerInnen hätten ihn sogar gefragt, was dieses KI-Gesetz überhaupt sei.
Die ersten Interessenten gewann Auditr dennoch schnell. Mehrere Unternehmen testen die Plattform bereits. Dabei steht für Müller aktuell weniger der Umsatz als das Feedback im Vordergrund. Manche Kunden nutzen die Software zunächst für einen oder sogar zwei Monate kostenlos, um Rückmeldungen für die Weiterentwicklung zu liefern.
Schlaflose Nächte gehören dazu
Die größte Herausforderung sieht Müller aktuell nicht in der Technik, sondern in der Doppelbelastung aus Vollzeitjob und Startup.
Vor der Arbeit stehen Kundengespräche auf dem Programm, nach Feierabend wird weiter an Auditr gearbeitet. Dazwischen bleibt oft wenig Zeit für Erholung.
„Das Schlimmste sind die schlaflosen Nächte. Meine Gedanken kreisen ständig um die Zukunft des Unternehmens. Was passiert, wenn es nicht klappt? Was passiert, wenn ich plötzlich erfolgreich werde?
Trotzdem gehört genau diese Unsicherheit für ihn zum Gründen dazu. Auch wenn sie nicht immer gesund sei, mache sie einen Teil der Faszination aus.
Elias Müller ist Gründer von Auditr, einer Softwarelösung für die Umsetzung des EU AI Acts in Unternehmen. Der IT-Experte entwickelt das Startup derzeit als Solo-Founder neben einer Vollzeitbeschäftigung und finanziert den Aufbau bislang aus eigenem Gehalt und Ersparnissen. Auf Linkedin berichtet Müller regelmäßig über die Höhen und Tiefen des Gründens und spricht offen über Themen wie Finanzierung, Kundenakquise und die Herausforderungen beim Aufbau eines Unternehmens. Mit Auditr verfolgt er das Ziel, Unternehmen einen einfachen und praxisnahen Weg durch die Anforderungen des europäischen KI-Gesetzes zu bieten. Laut eigener Aussage will er nicht unbedingt der Erste am Markt sein – sondern der Beste.
Ein Markt mit großem Potenzial
Mit Auditr will Müller Unternehmen einen einfachen Weg durch die Anforderungen des EU AI Acts bieten. Die Plattform erfasst eingesetzte KI-Systeme, klassifiziert deren Risiko und zeigt anschließend die notwendigen Maßnahmen auf.
Anders als manche Wettbewerber setzt Auditr laut Müller nicht auf KI-gestützte Bewertungen, sondern auf eine regelbasierte Logik, die direkt aus den Vorgaben des Gesetzes abgeleitet wurde. Langfristig soll daraus ein umfassender Compliance-Prozess entstehen – von Mitarbeiterschulungen bis hin zur rechtlichen Absicherung über Partner.
Der erste Umsatz rückt näher
Noch hat Auditr keinen Umsatz erzielt. Müller möchte zunächst sicherstellen, dass das Produkt rechtlich sauber aufgestellt ist, bevor die ersten Verträge unterschrieben werden. Die Gespräche mit potenziellen Kunden laufen bereits. Entsprechend hofft Müller, schon bald die ersten zahlenden Nutzer begrüßen zu können. Denn für ihn markiert dieser Moment weit mehr als nur eine Zahl auf dem Konto.
„Ich bin immer noch der festen Überzeugung, dass sich der erste Euro Umsatz besser anfühlen wird als jedes Gehalt.“
Der Rat an sein früheres Ich
Wenn Müller heute auf die vergangenen Monate zurückblickt, würde er sich selbst vor allem eines raten: Geduld. Der Markt sei da, die Nachfrage ebenfalls. Konkurrenz werde es immer geben. Entscheidend sei nicht, als Erster eine Idee zu haben, sondern sie besser umzusetzen als andere. Oder, wie er es selbst formuliert:
„Es wird viele geben, die die gleiche Idee haben. Aber ich will einfach der Beste sein.“






