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„Ich verstand mein eigenes Kind nicht“: Warum Saskia Müller Stellamia gründete

„Ich verstand mein eigenes Kind nicht“: Warum Saskia Müller Stellamia gründete

Bernd Heppel

Bernd Heppel

Bernd Heppel ist Online- und Multimedia-Redakteur bei Munich Startup. Er verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in digitalem Journalismus, Social Media, Content-Produktion und PR– unter anderem beim Burda Verlag und bei der Bavaria Fiction.

24. Juni 2026

PITCH & PEOPLE Folge 39: Stellamia

Viele Eltern suchen nach Antworten – Saskia Müller entwickelte daraus ein Startup. Im Videocast Pitch & People spricht die Gründerin von Stellamia über individuelle Elternratgeber, die Bedeutung von Verbindung im Familienalltag und ihre Vision, Eltern langfristig zu begleiten.

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Eltern werden ist nicht schwer. Eltern sein dagegen sehr.

Kaum ist das erste Kind da, prasseln Ratgeber, Meinungen und gut gemeinte Tipps auf Mütter und Väter ein. Doch was passiert, wenn all diese Empfehlungen nicht helfen? Wenn das eigene Kind trotzdem ein Rätsel bleibt?

Genau an diesem Punkt stand Saskia Müller. Die Kommunikationsberaterin, Munich Startup Expert und Gründerin von Stellamia hatte das Gefühl, ihr eigenes Kind nicht zu verstehen und stellte sich eine Frage, aus der schließlich ein Startup entstand.

„Ich verstehe mein eigenes Kind nicht. Und als Kommunikationstrainerin kann mir das doch nicht passieren, habe ich damals gedacht. Ich war wirklich an dem Punkt, an dem ich nicht mehr weiterwusste und mir dachte: Das kann doch nicht sein.“

Diese Erkenntnis war für Müller der Ausgangspunkt einer Suche nach individuellen Antworten statt allgemeiner Erziehungsweisheiten, wie sie im Videocast Pitch & People erzählt. Denn die klassischen Elternratgeber hätten ihr zwar viele Tipps geliefert, aber keine Erklärung dafür, warum ihre Tochter bestimmte Verhaltensweisen zeigte und andere Kinder völlig anders reagierten.

Die Suche nach einem individuellen Blick auf Kinder

Müller beschäftigt sich seit vielen Jahren mit typengerechter Kommunikation. In Unternehmen helfen Modelle wie DISC oder Insights dabei, Menschen besser zu verstehen und Kommunikationsstile anzupassen. Warum sollte dieses Prinzip nicht auch bei Kindern funktionieren, fragte sie sich. Schließlich können gerade kleine Kinder oft noch nicht ausdrücken, was in ihnen vorgeht.

Durch Zufall stieß sie auf Persönlichkeitsprofile, die auf Geburtsdaten basieren. Anfangs war sie skeptisch, doch die Ergebnisse überraschten sie so sehr, dass sie begann, das Konzept mit Familien aus ihrem Umfeld zu testen.

Die Reaktionen seien immer ähnlich gewesen: Eltern erkannten ihre Kinder in den Beschreibungen wieder. Aus diesen Erfahrungen entwickelte sich schließlich Stellamia: Das Startup erstellt individuelle Kinderbücher auf Basis von Geburtsdaten. Dabei geht es laut Müller nicht darum, Eltern mit einer Analyse allein zu lassen. Vielmehr sollen die Erkenntnisse durch Kommunikations- und Pädagogikansätze in konkrete Hilfestellungen für den Familienalltag übersetzt werden.

Verstehen statt optimieren

Im Zentrum des Konzepts steht ein Gedanke, den Müller im Interview mit Munich Startup mehrfach betont: Kinder müssen nicht verändert werden.

„Du musst dein Kind nicht optimieren. Du musst auch dich selbst nicht optimieren. Du musst nur verstehen. Denn wenn du verstehst, geht vieles leichter.“

Damit positioniert sich Stellamia bewusst gegen den gesellschaftlichen Drang zur ständigen Selbstoptimierung. Statt nach dem einen perfekten Erziehungsweg zu suchen, sollten Eltern lernen, die individuellen Bedürfnisse ihres Kindes zu erkennen.

Für Müller beginnt genau dort eine entspanntere Elternschaft. Wer versteht, warum ein Kind handelt, könne Konflikte anders einordnen und gelassener reagieren.

„Es gibt keine schwierigen Kinder“

Besonders deutlich wird diese Haltung bei einer Frage, die vermutlich viele Eltern beschäftigt: Gibt es schwierige Kinder? Müllers Antwort fällt eindeutig aus.

„Es gibt keine schwierigen Kinder. Dein Kind ist nicht schwierig, es ist einzigartig, genau wie du. Und wenn du das verstehst, dann läuft vieles viel leichter.“

Jedes Kind bringe eigene Bedürfnisse, Stärken und Verhaltensweisen mit. Was Eltern als anstrengend empfinden, sei oft Ausdruck dieser individuellen Persönlichkeit. Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, herauszufinden, was hinter bestimmten Reaktionen steckt.

Als Beispiel nennt die Gründerin ihre eigene Tochter. Deren starkes Bedürfnis nach Autonomie führte regelmäßig zu Konflikten. Erst als Müller begann, ihrer Tochter kleine Wahlmöglichkeiten zu geben, veränderte sich die Dynamik.

Statt Anweisungen zu formulieren, stellte sie Fragen: Möchtest du zuerst Zähne putzen oder zuerst den Schlafanzug anziehen? Allein diese Veränderung habe zu deutlich mehr Kooperation geführt.

Wenn Verständnis den Familienalltag verändert

Die Gründerin berichtet, dass die Arbeit an Stellamia auch ihr eigenes Verhältnis zu ihrer Tochter nachhaltig verändert habe. Besonders geholfen habe ihr das Verständnis dafür, dass ihre Tochter unterschiedliche Seiten in sich vereint: zu Hause temperamentvoll und durchsetzungsstark, in fremden Situationen dagegen zurückhaltend und vorsichtig.

„Auf einmal ist mir das alles wirklich aufgegangen. Die hat einen ganz sensiblen Kern und die scannt erst mal die Leute und braucht wahnsinnig lange, um Vertrauen zu fassen.“

Früher habe sie versucht, ihre Tochter zu mehr Offenheit zu bewegen. Heute könne sie viele Situationen besser einordnen und akzeptieren. Das entlaste nicht nur das Kind, sondern auch sie selbst als Mutter.

Positive Resonanz von Eltern und Pädagogen

Dass Stellamia einen Nerv trifft, zeigen laut Müller die Rückmeldungen der NutzerInnen. Besonders beeindruckt haben sie Reaktionen von pädagogischen Fachkräften.

Eine Kindergärtnerin habe ihr berichtet, dass die Beschreibungen zu rund 95 Prozent zuträfen und viele der vorgeschlagenen Kommunikationsansätze den Methoden entsprächen, die sie selbst im Alltag einsetzt.

Solche Rückmeldungen seien für die Gründerin besonders wertvoll. Denn sie zeigen, dass das Produkt nicht nur bei Eltern Anklang findet, sondern auch bei Menschen, die täglich mit Kindern arbeiten.

Saskia Müller ist Gründerin und Geschäftsführerin von Stellamia. Die Kommunikationstrainerin, Autorin bei Munich Startup und PR-Expertin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit typengerechter Kommunikation und der Frage, wie Menschen besser miteinander in Verbindung treten können. Mit Stellamia überträgt sie diese Ansätze auf den Familienalltag: Das Münchner Startup entwickelt individuelle Elternratgeber für Kinder von 0 bis 6 Jahren und möchte Eltern dabei unterstützen, die Bedürfnisse ihrer Kinder besser zu verstehen. Stellamia wird aktuell unter anderem im Incubation-Programm des Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) gefördert.

Vom Buch zur langfristigen Elternbegleitung

Ursprünglich war Stellamia als besonderes Geburtsgeschenk gedacht – als etwas Bleibendes mit praktischem Nutzen. Inzwischen hat sich die Vision deutlich erweitert.

Aktuell arbeitet das Startup an einer Crowdfunding-Kampagne. Geplant sind künftig altersbezogene Begleiter für verschiedene Entwicklungsphasen – von den ersten Lebensmonaten bis zum Schuleintritt. Langfristig möchte Stellamia Eltern über viele Jahre hinweg begleiten und perspektivisch sogar eine Plattform oder App aufbauen.
Für Müller geht es dabei um mehr als Erziehungstipps, es geht um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

„Verbindung vor Erziehung.“

Diesen Satz nennt die Gründerin als eine ihrer wichtigsten Überzeugungen. Eltern würden oft nach universellen Lösungen suchen. Entscheidend sei jedoch der individuelle Blick auf das eigene Kind. Wer diese Verbindung aufbaue, könne Konflikte besser lösen und den Familienalltag entspannter gestalten.

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