Munich Startup
The Consumer AI: Marktforschung in Minuten

The Consumer AI: Marktforschung in Minuten

Saskia Doll

Saskia Doll

15. Juni 2026

5 Min. Lesezeit

Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?

Fabian Roschig, Co-Founder & CEO: Unternehmen wollen wissen, wie Konsumenten auf ein neues Produkt reagieren, bevor sie es auf den Markt bringen. Dafür gibt es Marktforschung, aber die dauert Wochen, kostet schnell sechsstellige Summen und wenn die Ergebnisse da sind, hat sich die Frage oft schon erledigt. Wir interviewen echte Menschen über mehrere Dimensionen hinweg, von Persönlichkeit und Werten bis zu konkretem Konsumverhalten, und bauen daraus digitale Zwillinge. Das sind LLM-basierte Simulationen realer Personen, die man jederzeit befragen kann. So bekommt man in Minuten belastbare Konsumentenreaktionen, für die man sonst Wochen bräuchte.

Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?

Fabian Roschig: Digitale Zwillinge, die auf echten Interviews basieren und sich wie reale Zielgruppen verhalten. Andere Tools digitalisieren klassische Umfragen oder lassen ein LLM irgendwelche Antworten generieren, ohne echte Datenbasis. Bei uns steht hinter jedem Digital Twin ein echter Mensch, den wir über Persönlichkeit, Werte, Lebenssituation und Konsumverhalten befragt haben. Das ist der Unterschied.

Konsumentenstimme muss möglichst früh in Entwicklungsprozess

Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?

Fabian Roschig: Ich habe vorher Innovationsberatung für FMCG-Unternehmen gemacht. Da sitzt du in Workshops, entwickelst zehn Konzepte und dann muss entschieden werden, welche drei davon in die Fokusgruppe gehen. Diese Entscheidung fällt nach Agenda, nach Bauchgefühl, nach wer am lautesten im Raum ist. Aber nicht nach Konsumentenstimme, weil die zu dem Zeitpunkt noch gar nicht im Prozess ist. Das heißt, manche Konzepte werden gekillt, die Potenzial gehabt hätten. Andere schaffen es in die Testphase, obwohl man sie vorher schon hätte aussortieren können. Und selbst wenn dann getestet wird, dauert es Wochen, bis Ergebnisse zurückkommen. In einer Welt, in der Produktentwicklung iterativ und schnell sein muss, passt das einfach nicht mehr. Das war der Auslöser: die Konsumentenperspektive muss früher und kontinuierlicher in den Prozess, nicht erst am Ende als Validierung.

Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?

Fabian Roschig: Noch keinen dramatischen Moment, wo ich dachte: das war’s. Aber Phasen, in denen man abends sitzt und sich fragt, ob das alles so aufgeht. Ob man das Richtige baut. Ich habe das Problem aber zu oft bei Kunden gesehen, um daran zu zweifeln, dass es existiert. Und die Reaktionen in Gesprächen waren eigentlich immer gleich: sofortiges Nicken. Was einen eher beschäftigt, ist die Marktdynamik. Wir haben Ende 2025 gegründet, und gerade drängen viele Lösungen in den Markt. Da entsteht schon ein Druck, schnell zu sein. Aber wir haben uns bewusst für einen wissenschaftlich fundierten Ansatz entschieden, auch wenn sich das bei dem Tempo gerade kontraintuitiv anfühlt. Weil am Ende zählt, ob dein Ansatz verteidigbar ist und ob die Ergebnisse belastbar sind und ob das Business skalieren kann. Schnell und falsch bringt niemandem was.

The Consumer AI wurde 2025 von Fabian Roschig und Ismail Reimchen gegründet. Das Startup entwickelt digitale Zwillinge echter KonsumentInnen, um Marktforschung schneller, kontinuierlicher und günstiger zu machen. Co-Founder Fabian Roschig studierte unter anderem Innovationsmanagement und beschäftigte sich schon früh mit der Frage, wie neue Produkte schneller auf den Markt gebracht werden können. Nach Stationen bei Condor gründete er eine Innovationsberatung, begleitete Unternehmen bei Wachstums- und Innovationsprojekten und baute einen Startup-Incubator mit auf. Diese Erfahrungen flossen direkt in die Gründung von The Consumer AI ein.

Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?

Fabian Roschig: Wenn Kunden unsere Plattform aktiv und kontinuierlich nutzen, um Produkt-, Marketing- und Packaging-Entscheidungen iterativ zu testen und darauf ihre Entscheidungen zu basieren. Das wäre der Habit Change, den wir erreichen wollen: weg von Marktforschung als einmaligem Projekt, hin zu kontinuierlichem Arbeiten mit der Konsumentenstimme. Wenn das passiert, heißt das, die Leute vertrauen den Ergebnissen genug, um ihren Prozess daran auszurichten. Das wäre das Signal.

Münchner Ökosystem überzeugt durch passende Größe

Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?

Fabian Roschig: Ja, sofort wieder. Das Ökosystem hier ist stark: TUM, Munich Startup, viele VCs, gute Fördermöglichkeiten. Aber was mich mehr überzeugt, ist die Größe. München ist noch übersichtlich genug, dass es sich nach echtem Netzwerk anfühlt, nicht nach losen Kontakten. Man trifft die gleichen Leute wieder, man kennt sich.

Munich Startup: Bootstrapping oder Venture Capital?

Fabian Roschig: Bootstrapped, von Anfang an. Wir wollten erst verstehen, ob das Produkt funktioniert und ob Leute dafür zahlen, bevor wir Geld von anderen Leuten ausgeben. Kapital aufnehmen, um rauszufinden, ob man überhaupt ein Problem löst, das sich lohnt, war für uns nie der richtige Weg. Jetzt sind wir an dem Punkt, wo die Methodik fundiert validiert ist und wir an Piloten mit etablierten Unternehmen arbeiten. Mit dieser Traction wollen wir Ende des Jahres eine nennenswerte Finanzierungsrunde raisen. Weil unser Ansatz nur mit Skalierung funktioniert: großer Interview-Corpus, genug digitale Zwillinge, echte Marktdurchdringung. Dafür braucht es dann auf jeden Fall Kapital.

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