Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Yannick Brand und Fabian Schmitt, Co-Gründer & Co-CEOs: Die Menge der weltweit produzierten Daten verdoppelt sich alle zwei Jahre. Diese Datenflut gibt es auch in Sicherheit und Verteidigung: verschiedenste fliegende, fahrende und schwimmende Plattformen sammeln mit einer nie dagewesenen Zahl an Sensoren unterschiedlichste Daten.
Das stellt PilotInnen und OperatorInnen von Bundeswehr, Polizei oder Bergwachten vor immense Herausforderungen: Denn sie alle müssen oft in kurzer Zeit und unter extremen Bedingungen sicherheitskritische Entscheidungen treffen. Aber wie können Daten geteilt, kanalisiert, und so aufbereitet werden, dass sie eine bestmögliche Entscheidungshilfe sind?
Genau hier setzen wir an. Hat.tec ermöglicht plattform-unabhängiges Missionsmanagement. Das heißt: Unsere Software-Suite integriert, sortiert, und präsentiert die Daten in Echtzeit. Durch die Zusammenführung entsteht ein gemeinsames, klares und verständliches Lagebild für alle Beteiligten. Das entlastet Menschen von komplexen, parallelen Prozessen und befähigt sie, sich auf ihre wichtigste Rolle zu konzentrieren: das Treffen von Entscheidungen und die Erfüllung der Mission, um unser aller Sicherheit zu gewährleisten.
Software ist bereits im Einsatz
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Yannick Brand und Fabian Schmitt: Wir sind startklar: Unsere Software-Suite Scale ist vollständig einsatzbereit und wird bereits in Zusammenarbeit mit der Industrie genutzt und weiterentwickelt. Für den weiteren Jahresverlauf sind noch weitere Auslieferungen an Kunden geplant. Bereits seit 2024 attestiert uns das sogenannte ‚Technology Readiness Level 9‘ den erfolgreichen Einsatz in der Luft. Unsere Fähigkeiten haben wir bereits mehrfach bei Übungen von Einsatzkräften unter Beweis gestellt.
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Yannick Brand und Fabian Schmitt: Schon in unserer Zeit bei der Bundeswehr haben wir hautnah erlebt, dass es nie nur um das Steuern einer einzelnen Plattform geht. Stattdessen liegt der Schlüssel zum Missionsziel immer darin, alle beteiligten Menschen und Maschinen möglichst effektiv und effizient in einem Gesamtsystem zu verknüpfen.
Während unserer Promotion an der Universität der Bundeswehr haben wir dann beide zum Zusammenspiel von menschengesteuerten und autonomen Systemen geforscht. Auch hier haben wir immer wieder von Einsatzkräften gehört, dass genau diese Technologien und Fähigkeiten dringend gebraucht werden.
So stand schnell der Entschluss fest: Wir wollen den Einsatzkräften nicht nur ein theoretisches Forschungsergebnis liefern, sondern ein konkretes und einsatzfähiges Produkt. Damit war die Firma Hat.tec geboren. Und das schnelle Wachstum hat gezeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben.
Team und Strukturen wachsen beständig
Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen? Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Yannick Brand und Fabian Schmitt: Nachdem wir das Kundeninteresse geweckt hatten, mussten wir die Idee sehr schnell in ein praktisches Produkt übersetzen. Dafür mussten wir in kurzer Zeit ein größeres Team aufbauen, was natürlich eine Reihe ganz neuer Aufgaben in Organisation, Administration und Management mit sich brachte. Das war spannend und herausfordernd zugleich. Diese Erfahrung machen wahrscheinlich viele Erstgründer. Einerseits brauchen wir die besten Köpfe in einem von starkem Wettbewerb geprägten Markt, zum anderen wachsen Team und Strukturen ständig weiter – und wir müssen auch diesen Prozess lenken und begleiten.
Ans Aufgeben haben wir dabei aber nie gedacht. Im Gegenteil: Über die letzten Jahre ist auch in der breiten Öffentlichkeit sehr klar geworden, wie elementar starke Fähigkeiten in Sicherheit und Verteidigung für unsere Gesellschaft sind. Unser Team liefert dazu einen wichtigen Beitrag. Darauf sind wir auch stolz, das spornt uns an.
Hat.tec wurde 2018 als Ausgründung der Universität der Bundeswehr München von den promovierten Luft- und Raumfahrtingenieuren Yannick Brand und Fabian Schmitt gegründet. Das Unternehmen entwickelt mit Scale eine Missionsmanagement-Software, die Daten aus unterschiedlichen Plattformen und Sensoren zu einem gemeinsamen Lagebild zusammenführt und bereits bei Behörden, Streitkräften und Industriepartnern im Einsatz ist.
Die beiden Gründer verbindet nicht nur ihre wissenschaftliche Laufbahn, sondern auch ihre Bundeswehr-Vergangenheit und ihre Begeisterung für die Luftfahrt. Heute beschäftigt Hat.tec rund 70 Mitarbeitende und treibt die Internationalisierung seiner Software für sicherheitsrelevante Einsätze weiter voran.
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Yannick Brand und Fabian Schmitt: Wir entwickeln für den realen Einsatz. Unser Produkt ist bereit für den Einsatz und mit dem Beginn unserer Internationalisierung und dem erweiterten Angebot für alle Domänen – von Luft über Land bis zu Wasser – erleben wir seit 2025 eine steigende Nachfrage. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, machen wir vieles richtig. Denn wenn mehr Sicherheitskräfte, PilotInnen und OperatorInnen unsere Software nutzen wollen, heißt das: Wir liefern echten Mehrwert für echte Missionen.
„München, das passt“
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Yannick Brand und Fabian Schmitt: Ja, München bietet genau das Umfeld, das wir brauchen. Denn hier sind wir nicht nur nah dran an wichtigen Kunden, sondern auch an anderen Partnern aus Wirtschaft und Politik. Zudem profitieren wir von der Nähe zu mehreren Top-Universitäten. Und unsere Mitarbeitenden schätzen einfach den hiesigen Mix aus Großstadt-Flair und Outdoor-Möglichkeiten. Kurzum: München, das passt.
Munich Startup: Perfektion oder Geschwindigkeit?
Yannick Brand und Fabian Schmitt: Wir wollen schnell im Einsatz sein und früh Feedback sammeln, um möglichst schnell echten Mehrwert zu schaffen. Schnelle Iteration geht dabei vor Perfektion. Das ist ganz normal in unserem Geschäft, Software bleibt nie stehen und wird stetig weiterentwickelt. Gleichzeitig ist aber klar: Sicherheit ist in unserer hochsensiblen Branche immer das wichtigste Gut. Hier gibt es keine Kompromisse.






