Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Valerie Laubsch, Co-Founderin: Strom wird künftig zunehmend dort erzeugt, gespeichert und verbraucht werden, wo er benötigt wird. Gewerbeimmobilien entwickeln sich dadurch von reinen Verbrauchern zu aktiven Teilnehmern des Energiesystems. Die Energiewende auf Gewerbeimmobilien wird heute jedoch häufig von externen Investoren umgesetzt. Die Immobilie stellt die Fläche, die Wertschöpfung entsteht jedoch größtenteils außerhalb des Portfolios des Eigentümers. Wir sind überzeugt, dass Energieinfrastruktur künftig ein integraler Bestandteil der Immobilie sein wird – ähnlich wie Heizung, Parkflächen oder Ladeinfrastruktur. Wer die Immobilie besitzt, sollte auch die wirtschaftlichen Potenziale dieser Infrastruktur erschließen können.
Genau das ermöglichen wir. Wir helfen Eigentümern dabei, Energie von einem Kosten- und Verwaltungsthema zu einem echten Werttreiber ihrer Immobilien zu machen. Gleichzeitig profitieren Mieter von einer günstigeren, nachhaltigeren und resilienteren Energieversorgung. Besonders ist dabei unser Profit-Sharing-Modell: Wir verdienen nur, wenn auch die Eigentümer verdienen. So sind die Interessen beider Seiten von Anfang an aufeinander ausgerichtet.
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Valerie Laubsch: Unser Fokus liegt auf Multi-Tenant-Gewerbeimmobilien – also Immobilien mit mehreren Mietern. Viele Energiekonzepte funktionieren bereits gut für einzelne Stromabnehmer. Sobald jedoch mehrere Mieter, unterschiedliche Lastprofile, regulatorische Anforderungen und verschiedene Marktteilnehmer zusammenkommen, steigt die Komplexität erheblich. Die eigentliche Herausforderung ist dann nicht der Bau der Anlage, sondern die Orchestrierung und Aussteuerung des Gesamtsystems. Dafür müssen Netzbetreiber, Mieter, Stromlieferanten, lokale Stromerzeugung und Speicher intelligent zusammenspielen.
Wir verbinden Photovoltaik, Batteriespeicher und die Beschaffung von Reststrom am Energiemarkt zu einem integrierten Energiemodell. Auf Basis von Lastprofilen, Wetterdaten und Marktpreisen optimieren wir laufend die Versorgung und Wirtschaftlichkeit über die gesamte Immobilie hinweg.
Positiver Impact und wirtschaftliche Relevanz
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Valerie Laubsch: Mein Mitgründer und ich haben uns in einem Early-Stage-Investorenprogramm kennengelernt. Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns fachlich und persönlich gut ergänzen und beide zusammen etwas Eigenes aufbauen wollen. Uns war wichtig, in einem Bereich zu arbeiten, der wirtschaftlich relevant ist und gleichzeitig ein Thema ist, welches einen positiven Beitrag leistet. Die Energiewende im Gebäudesektor bietet dafür enormes Potenzial.
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Valerie Laubsch: Ans Aufgeben eigentlich nicht. Wir haben aber regelmäßig hinterfragt, ob wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Richtung angepasst, wenn wir gemerkt haben, dass wir in einer Sackgasse landen könnten. Wir bewegen uns in einem Markt mit laufenden regulatorischen Änderungen und einer sehr fragmentierten Netzbetreiberlandschaft. Das sorgt immer wieder für neue Herausforderungen. Gleichzeitig haben wir dadurch viel gelernt. Heute können wir deutlich besser einschätzen, welche Projekte sinnvoll sind und welche nicht. Diese Erfahrung hilft uns, fokussierter zu arbeiten und die richtigen Chancen auszuwählen.
Valerie Laubsch studierte Wirtschaftswissenschaften an der LMU München mit Schwerpunkt Technologie und Innovation. Anschließend arbeitete sie vier Jahre bei Microsoft und entwickelte gemeinsam mit Kunden digitale Geschäftsmodelle und Cloud-Strategien. Gemeinsam mit Jonas Nöhl baut sie Moverloop seit der Gründung 2024 auf und verbindet dabei Expertise in Energie, Technologie und Business Development.
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Valerie Laubsch: Wenn unsere Lernkurve auf dem aktuellen Niveau bleibt und die Netzwerkeffekte unseres Modells weiter zunehmen. Das sehen wir heute bereits: Unternehmen, die als Mieter in einer Immobilie mit uns zusammenarbeiten, kommen später für weitere Standorte auf uns zu. Gleichzeitig empfehlen uns Immobilieneigentümer innerhalb ihrer Portfolios weiter. Wenn sich dieser Effekt weiter verstärkt und wir dadurch zunehmend organisch wachsen, wäre das für uns ein sehr starkes Signal.
Wenig Hype, viel Fokus
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Valerie Laubsch: Absolut. München bietet ein sehr gutes Umfeld für technologiegetriebene Gründungen, gleichzeitig gibt es vergleichsweise wenig Hype und Ablenkung rund um das Thema Startup. Das hat uns geholfen, den Fokus auf Kunden, Produkt und Umsetzung zu legen. Dazu kommt ein starkes Netzwerk aus Gründern, Investoren und Unterstützern, das gerade in den frühen Phasen sehr wertvoll ist.
Munich Startup: Bootstrapping oder Venture Capital?
Valerie Laubsch: Das hängt stark vom Geschäftsmodell und vom Markt ab. Nicht jeder Business Case ist ein Unicorn Case. Deshalb sollte die Finanzierungsstrategie zum Unternehmen passen und nicht umgekehrt. Wir haben uns bewusst für Bootstrapping entschieden, um zunächst Kunden, Projekte und Referenzen aufzubauen. Kapital kann Wachstum beschleunigen, ersetzt aber kein funktionierendes Geschäftsmodell. Mit dem Wissen von heute würden wir diesen Weg wieder genauso wählen.






